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Dieses Thema hat 10 Antworten
und wurde 1.373 mal aufgerufen
 Kinder mit ADHS - Selbsthilfe für Eltern
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sternenmond1975 Offline



Beiträge: 73

16.02.2015 00:19
#11 RE: Hat jemand Erfahrung mit Tagesklinik antworten

Hallo liebe Julie,

unser Sohn (9 Jahre, 4. Klasse) war von Ende September bis Ende Januar in einer Tagesklinik. Die Zeit dort war für ihn und für unsere gesamte Familie Gold wert. Wir wussten von ihm "nur", dass er hochbegabt ist (was man aber in den Noten nicht wiedererkannte) und immer wieder in der kompletten Außenseiterolle war. Es ging ihm von Schuljahr zu Schuljahr schlechter bis er sogar von seinem Psychologen als suizidgefährdet eingestuft wurde. Die Tagesklinik ließ sich 8 Wochen Zeit mit der "Diagnose". Man wollte ihn bewusst in keine Schublade stecken, sondern sich in Ruhe Gedanken machen, wie man ihm helfen kann. Durch die hohe Intelligenz konnten bestimmte Dinge gut vertuscht werden, so dass man sich erst nach langer Diagnostik dazu durchringen konnte, auf ADHS zu behandeln. Es stellte sich als goldrichtig heraus. Seit Januar begang die Medikation (gleich Medikinet retard, Anfangsdosis 10 mg wurde in Wochenschritten auf jetzt 40 mg einstellt) und unser Sohn kann sich wieder tagsüber besser konzentrieren, die Unruhe ist deutlich gesunken, sogar sein Schriftbild verbesserte sich. Gut, das Thema Legastenie ist nicht vom Tisch, aber zumindest jetzt auch bearbeitbar. Ob wir am Ende der Dosis sind...mal sehen! Aber das Tagesklinik-Team war schlichtweg hervorragend. Er hat die Auszeit auch gut getan. Die Beschulung fand für die wichtigsten Fächer statt, man tauschte sich mit der Schule gut aus, er konnte sogar Klausuren nachschreiben, so dass er ein Halbjahreszeugnis erhielt. Durch seine Diagnose kam nun mein Mann darauf, selber schon seit Kindheit an unter diesem Thema zu leiden und nun werden wir auch unsere Zwillingstöchter (6 Jahre) untersuchen lassen, da es in der 1. Klasse und auch schon vorher durchaus Auffälligkeiten gibt, die uns zu sehr an unseren Sohn erinnern. Diesen langen Leidensweg möchten wir natürlich nicht wiederholen.

In der Tagesklinik hat er sogar einen guten Freund gewonnen und viel Selbstvertrauen aufbauen können, was gar nicht mehr vorhanden war. Er absolvierte auch ein soziales Kompetenztraining, wo klar wurde, dass er die Theorie gut beherrscht, aber die Umsetzung hakt. Wir werden nur jetzt seinen Therapeuten wechseln. Der alte war tiefenpsychologisch unterweges, was hier nicht passt, aber wir haben schon eine nette Verhaltenstherapeutin für April in Aussicht.

Unser Sohn ist nun wieder im Schulalltag und bringt auf einmal 2en und 1en nach Hause (vorher deutlich darunter), beteiligt sich am Unterricht, schließt auf einmal Freundschaften.

Wir waren wohl am überraschtesten als es um die weiterführende Schule ging. Da war selbst die Pädagogin der Tagesklinik unentschieden, ob Gesamtschule oder Gymnasium eine Option sind (wir reden von Schleswig-Holstein, wo es nur diese beiden Schulformen gibt). Also telefonierte ich rum, hatte persönliche Gespräche und den AHA-Effekt, dass man zwar mit AD(H)S in der Gesamtschule "gut zurecht komme", aber bei Kindern mit mehr Intelligenz sich nicht geschult fühle (verrückte Welt!). 2 von 3 Gymnasien hingegen empfingen mich mit offenen Armen, obwohl ich wirklich alle Karten auf den Tisch legte. "ADHS/Hochbegabung/Legasthenie - kennen wir - geben Sie ihn bloß nicht auf die Gesamtschule, da orientiert er sich nur nach unten." - Da war ich echt baff!

Unser Sohn freut sich so sehr, dass er nun regelmäßig Freunde zu Besuch hat/Freunde besucht, in der Schule tatsächlich die Neustart-Taste drücken durfte und nun aufs Gymnasium darf.

Die Tagesklinikpädagogin begleitete ihn sogar am 1. Schultag und hielt in der Klasse einen kleinen allgemeinen Vortrag, was eine Tagesklinik ist. Unser Sohn berichtete selber dann ganz offen, dass er ADHS hätte. Es war unglaublich, aber es scheint, dass damit viele Dämme gut gebrochen sind.

Die Tagesklinik hat unserer ganzen Familie einen mehr als positiven Schubs gegeben. Aber das liegt natürlich an den Menschen, die da arbeiten. Deshalb sind die Vorgespräche und auch Dein Bauchgefühl wichtig. Mir war von Anfang an der behandelnde Psychologe sehr symphatisch - da fiel es mir leichter, Sohnemann in die Obhut zu geben.

Ich drücke Dir und Deinem Sohn ganz fest die Daumen, dass eine vertrauensvolle Tagesklinik gefunden wird. Für ihn scheint ein Tapetenwechsel dringend notwendig, wenn die schulische Situation schon so eingefahren ist.

ganz liebe Grüße
sternenmond

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