Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 

ADHS-Selbsthilfe an 365 Tagen im Jahr

Bei akuten Krisen und/oder Suizidgedanken kann das Forum nicht helfen.
Bitte wende dich an die Telefonseelsorge, an Neurologen und Psychiater im Netz oder an Freunde fürs Leben!
 
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 118 mal aufgerufen
 Selbsthilfe für Erwachsene mit ADHS
Trixie Offline



Beiträge: 3

15.06.2020 16:54
Hallo an alle! Antworten

Hallo ihr Lieben!

Ich bin seit November 2019 mit ADHS im Alter von damals 27 diagnostiziert, die erste in meiner Familie, mein kleiner Bruder folgte kurz darauf.
Habe eine sehr schwierige Familiengeschichte, kein Vater und meine Mutter ist ein Totalausfall, vermutlich weil sie sich nie hat helfen/behandeln lassen.

Bei mir ging's im Sommer 2018 mit einer Depression los, war in therapeutischer Behandlung und hab Medikamente bekommen, die ich weniger gut vertragen habe. Nach dem Ausschleichen der Medikamente hatte ich immer noch extreme Unruhe, Aufmerksamkeitsprobleme, Impulsivität,... die ADHS-Diagnose hat da einiges erklärt. Laut Erzählungen wurde ich als Kind schon diagnostiziert - ADHS und hochbegabt - meine Mutter meine allerdings, wenn ich so intelligent sei, bräuchte ich weder Medikamente noch Therapie... und jetzt hab ich den Salat.

Im Moment nehme ich 20 mg Medikinet adult redart morgens zusammen mit einem Müsli, fühle mich jedoch gar nicht gut eingestellt. Immer noch sehr unruhig, sehr instabil, sehr verwirrt - weiß allerdings nicht, ob das auch an meinen aktuellen Umständen & dem ganzen Stress liegt.
Hinzu kommt, dass ich mich im Moment wieder sehr depressiv fühle und unter massivem Stress stehe. (Musste aufgrund von Corona wieder zurück in meinen Studienort ziehen, mag es hier gar nicht, hab zuvor in einer Schimmelwohnung gewohnt, was gerade einen riesigen Rattenschwanz hinter sich her zieht, soll eigentlich mein Studium endlich fertig kriegen, bin aber zu instabil.... und noch familiäre Probleme, die eigentlich immer an der Tagesordnung stehen, obwohl ich mich schon lange von meiner Familie distanziert habe...)

Habe einen Termin beim Psychiater in einer paar Wochen und zum Glück sehr schnell eine Verhaltenstherapie hier am neuen Wohnort gefunden, bei welcher die Erstgespräche aktuell schon stattfinden.

Nun habe ich ein paar Fragen, vllt kann mir hier jmd mit seinen/ihren Erfahrungen weiterhelfen:

- Woher weiß ich, wie stark das ADHS ist? Die Ärzte am alten Wohnort hatten nie viel Zeit, habe auch das Gefühl dort nicht wirklich ernst genommen worden zu sein. Hoffe, dass hier nun erstmal besser ist.
- Hat jemand Erfahrung mit Komorbidität Depressionen? Und Medikation hierfür?
- Habe nun mehrfach gelesen, dass soziale Faktoren das Syndrom verstärken und wenn ich so auf meine Vergangenheit blicke wird das mit Sicherheit nachteilig sein. Hat wer noch eine schwierigere Geschichte und was hat geholfen besser klar zu kommen?
- Jemand Erfahrung mit PMS/PMDS? Merke vor der Menstruation immer, dass es mir dann noch schlechter geht als eh schon, habe Berichte gelesen, dass auch die Medikation während der PMS/PMDS schlechter/weniger wirken?
- Was hat euch geholfen besser mit den Stimmungsschwankungen klarzukommen bzw. stabiler dahingehend zu werden?
- Hattet ihr auch am Anfang das Gefühl, dass es einfach nicht besser wird? Und auch ohne dieses Gefühl - was hat geholfen besser klar zu kommen?
- Hat jemand Erfahrungen im Masterstudium? Soll eben mein Studium fertig kriegen, die Masterarbeit und ein Praktikum stehen noch aus - das Praktikum macht mir weniger Sorgen, jedoch knockt mich die Masterarbeit bereits das zweite Mal schon aus (bin im Urlaubssemester, welches ich eig zurück geben wollte - aufgrund der emotionalen Instabilität werde ich das jedoch nicht machen, ist bereits mein Zweitversuch). Was hat euch geholfen 6 Monate am Stück an einer wissenschaftlichen Arbeit zu schreiben?

Das sind nun einige Fragen und ich hoffe nicht zu durcheinander formuliert - das Chaos in meinem Kopf bekomme ich gerade nur schwer sortiert und schlägt sich überall nieder. Hoffe ich greife mit einigen Fragen nicht zu weit, freue mich schon, wenn sich nur ein paar Antworten und Hilfen finden lassen.

Freue mich über Antworten und Erfahrungsaustausch!

Liebe Grüße,
die Trixie

AndreaA Offline



Beiträge: 910

15.06.2020 21:31
#2 RE: Hallo an alle! Antworten

Hallo Trixie,
willkommen hier im Forum. Das sind eine Menge Fragen. Bei mir ist gerade noch Highlife, deshalb nur kurz.

Wann nimmst du das Medikinet? Vor, während oder nach dem Müsli?

Das war jetzt gerade was mir spontan aufgefallen. Später mehr.

Liebe Grüße
Andrea

SusanneG Offline



Beiträge: 9.184

16.06.2020 00:01
#3 RE: Hallo an alle! Antworten

Hallo Trixie,

sei erst mal herzlich willkommen in unserem Forum! Schön, dass du zu uns gefunden hast.

Zitat von Trixie im Beitrag #1
Im Moment nehme ich 20 mg Medikinet adult redart morgens zusammen mit einem Müsli, fühle mich jedoch gar nicht gut eingestellt.

Wie wurde denn aufdosiert?

Zitat von Trixie im Beitrag #1
- Woher weiß ich, wie stark das ADHS ist? Die Ärzte am alten Wohnort hatten nie viel Zeit, habe auch das Gefühl dort nicht wirklich ernst genommen worden zu sein. Hoffe, dass hier nun erstmal besser ist.

Wie "stark" deine ADHS ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Familiäres, soziales Umfeld, allgemeine Gesundheit, Zufriedenheit - das, sowie der psychische Druck, der von außen auf dich ausgeübt wird, sind hier ausschlaggebend. Ändern sich diese Parameter, kann deine ADHS nächste Woche durchaus mehr oder weniger stark sein.

Zitat von Trixie im Beitrag #1
- Hat jemand Erfahrung mit Komorbidität Depressionen? Und Medikation hierfür?

Depressionen sind der "übliche" Begleiter bei einer adulten ADHS. Erfahrungen damit haben wir wohl alle. Sobald deine ADHS medikamentös passend eingestellt ist, kann man an die Medikation der Depressionen gehen. Hierzu gibt es recht unterschiedliche Erfahrungen, da würde ich mich erst mal auf die Kompetenz des behandelnden Psychiaters verlassen (und bitte Depressionen vom Psychiater behandeln lassen und von keinem anderen Arzt, egal welches Fachgebiet).

Zitat von Trixie im Beitrag #1
- Habe nun mehrfach gelesen, dass soziale Faktoren das Syndrom verstärken und wenn ich so auf meine Vergangenheit blicke wird das mit Sicherheit nachteilig sein. Hat wer noch eine schwierigere Geschichte und was hat geholfen besser klar zu kommen?

Siehe oben - das soziale Umfeld (also deine Vergangenheit) spielt bei der Intensität der ADHS eine große Rolle. Du bist jetzt erwachsen. Ändere dein Setting so, dass du dich darin wohlfühlst. Und schau nicht nach hinten, das hilft bei rein gar nix. Schau nach vorne.

Zitat von Trixie im Beitrag #1
- Jemand Erfahrung mit PMS/PMDS? Merke vor der Menstruation immer, dass es mir dann noch schlechter geht als eh schon, habe Berichte gelesen, dass auch die Medikation während der PMS/PMDS schlechter/weniger wirken?

Vom PMS bin ich zum Glück verschont geblieben. Ich weiß aber aus der Selbsthilfe (und das kannst du auch hier im Forum nachlesen), dass die ADHS-Medis während des PMS eher gar nicht wirken.

Zitat von Trixie im Beitrag #1
- Was hat euch geholfen besser mit den Stimmungsschwankungen klarzukommen bzw. stabiler dahingehend zu werden

Die Stimmungsschwankungen gehören zur ADHS und sollten mit der passenden Medikation besser werden. Stress von außen hat auch großen Einfluss auf die Stimmung. Sprich mit deinem Psychiater über deine Stimmungsschwankungen. Wenn sie zu extrem sind, gibt es auch Medikamente.

Zitat von Trixie im Beitrag #1
- Hattet ihr auch am Anfang das Gefühl, dass es einfach nicht besser wird? Und auch ohne dieses Gefühl - was hat geholfen besser klar zu kommen?

Der Weg ist das Ziel. Es wird nicht alles von jetzt auf gleich besser, nur weil du jetzt Medis nimmst oder eine Psychotherapie machst. Versuche deine Probleme zu priorisieren und gehe eines ums andere an.

Zitat von Trixie im Beitrag #1
- Hat jemand Erfahrungen im Masterstudium? Soll eben mein Studium fertig kriegen, die Masterarbeit und ein Praktikum stehen noch aus - das Praktikum macht mir weniger Sorgen, jedoch knockt mich die Masterarbeit bereits das zweite Mal schon aus (bin im Urlaubssemester, welches ich eig zurück geben wollte - aufgrund der emotionalen Instabilität werde ich das jedoch nicht machen, ist bereits mein Zweitversuch). Was hat euch geholfen 6 Monate am Stück an einer wissenschaftlichen Arbeit zu schreiben?

Nein, eigene Erfahrungen habe ich hier nicht. Doch ich habe gestern mit meiner Tochter, die mitten im Master-Studium steckt, gesprochen. Sie erzählte mir, sie war am Wochenende in einer anderen Stadt, damit sie "mit ihrer Masterarbeit endlich weiterkommt". Versuche, alle Ablenkung aus deinem Weg zu räumen. Stell stattdessen Wasser und was zum Knabbern auf den Tisch. Und dann nutze jeden Flow - egal was du jetzt eigentlich machen solltest, zB trinken, essen, einkaufen undundund.

Ich hoffe, hier meldet sich noch jemand mit eigener Erfahrung.

Soviel für heute ...

Lesen gefährdet die Dummheit

Trixie Offline



Beiträge: 3

16.06.2020 13:03
#4 RE: Hallo an alle! Antworten

Hallo Andrea,

das Medikinet nehme ich immer nach dem Müsli, davor/während war die Wirkung immer zu schnell vorbei, bzw. der Rebound-Effekt hinterher zu stark.

Liebe Grüße

Trixie Offline



Beiträge: 3

16.06.2020 13:41
#5 RE: Hallo an alle! Antworten

Hallo Susanne,

erstmal vielen Dank für deine ausführliche Antwort!

Die Zitierfunktion habe ich noch nicht ganz durchschaut, daher als Fließtext - hoffentlich verständlich.

Man hat mit 10 mg täglich angefangen, dann 10-10, dann 15-10, 20-10, dann 20-20 - allgemein war die Dosierung sehr durcheinander, es hab nicht wirklich einen Plan wie aufdosiert wird und auch kaum Rücksprache wie ich die Dosis bzw das Medikament allgemein vertrage. Muss dazu sagen, dass ich in der Praxis am alten Wohnort immer zwischen zwei Ärzten hin und her geschoben wurde. Es hat keine gute Aufklärung, keine gute Einstellung, keine gute Kontrolle stattgefunden. Hatte auch das Gefühl, dass ich nicht wirklich ernst genommen wurde. War am alten Wohnort in einer ziemlichen Lebenskrise, auch jetzt noch, habe mehrmals von depressiven Verstimmungen und Panikattacken berichtet, es erfolgte keine Umstellung und auch kaum Fragen zu meiner Verfassung oder wie ich die Medikation eigentlich vertrage. Der Arzt ist kein Spezialist für ADHS und die Ärztin ist zwar Spezialistin, war aber eben sehr desinteressiert, meinte nur ich sollte weniger nehmen, als die 20-20, also mache ich das jetzt. Nehme aktuell die 20 mg und warte auf meinen Termin beim Psychiater am neuen Wohnort. Dort werde ich auch die Depression besprechen und auch die PMS/PMDS. Der Arzt ist Spezialist für adultes ADHS, Reaktionen auf schwere Belastung (aktuell der Fall) und emotionale Störungen (auch der Fall aufgrund von schwerer Belastung soweit ich vermute). Ich hoffe dort wird mir etwas intensiver zugehört bzw. mehr mit mir gesprochen.

Dass die Medikation während der PMS schlechter bzw. gar nicht wirkt habe ich auch mehrfach gelesen und auch so erfahren. Hoffe, dass es dafür eine Lösung gibt. Die PMS ist auch schlimmer umso stressiger/schwieriger mein Leben ist. Reduktion des Stress und Stabilität ist daher auch in der Therapie gerade Primärziel, sonst sehe ich auch schwarz für meinen Masterabschluss.
Heute nach der Monatsblutung merke ich auch die Wirkung der 20 mg intensiver, merke dass es mich stabiler macht. Hab nochmal einen ganzen Zyklus vor dem Psychiatertermin, werde dass dann nochmal intensiv beobachten.

Bzgl. der Masterarbeit merke ich auch, dass Betreuung und Thema eine große Rolle spielen. Ich trete jetzt im Moment erstmal auf die Bremse, behalte mein Urlaubssemester und fokussiere mich auf Problemlösung und Stabilität. Dann werde ich mich wieder dem ganzen Thema widmen, mir eine Untersuchungsfrage suchen, die mich SEHR interessiert (intrinsische Motivation und so) und habe auch gemerkt, dass mich männliche Betreuer irgendwie demotivieren. Das ist mit Sicherheit ein Thema für die Psychotherapie, hängt allerdings auch mit meiner Abneigung gegen "white male Privilege" zusammen, die sich durchs Studium entwickelt hat.

Erstmal bleibt mir nichts anderes übrig, als die ersten Therapiestunden und den Psychiatertermin abzuwarten und eigene Bemühungen anzustellen, um wieder stabiler zu werden. Dumm ist nur, dass der "Rückzug" an den alten Studienort mein Wohlfühllevel senkt, mal wieder so eine impulsive Entscheidung die ich bereue (bzw. war es schon durchdacht und mit vielen Freunden besprochen, aber nicht langfristig gut genug überlegt und unter Stress/Zeitdruck entschieden).

Auf der einen Seite kritisch, dass sich die ADHS durch Parameter wochenweise verändern kann, auf der anderen Seite auch positiv. Wenn erstmal ein paar starke Stressoren weg sind, könnte sich ja schnell Besserung einstellen. Die Beobachtung hatte ich auch während meines Bachelors schon, hatte da durch Struktur und Sport die Symptome trotz Unwissen recht gut im Griff und konnte erfolgreich abschließen, auch habe ich schon einiges im Leben geschafft, was ich so rückblickend kaum für möglich halte, bei meiner Vergangenheit. Wird schon wieder werden.

Auf jeden schon Mal vielen Dank für die Antworten!

Liebe Grüße

Elvanse »»
 Sprung  

 

Forum Übersicht | Impressum | Datenschutz | Nutzungsbedingungen | Webseite

Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor
Datenschutz