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Dieses Thema hat 11 Antworten
und wurde 551 mal aufgerufen
 Diagnostik, Therapie, Medikation
Seiten 1 | 2
Rotalely Offline



Beiträge: 4

28.05.2021 00:29
Weitere Medikation unklar Antworten

Hallo zusammen,

ich hoffe, hier kann mir jemand weiterhelfen...
Mein Sohn (12 Jahre, ADHS, keine weiteren Diagnosen) bekam seit Juni 2017 Medikinet retard 30 mg.

Nach ca. 2,5 Jahren mit Einsetzen der Pubertät ließ die Wirkung merklich nach, er wurde zunehmend unkonzentriert und hatte eine stark reduzierte Impulskontrolle mit unkontrollierten Wutausbrüchen gegen andere und sich selbst (Verbal ohne Gewalt).

Nach Rücksprache mit dem behandelnden Psychiater, bekam er ab Juni 2020 7,5 mg Attentin. Die Wirkung war sehr mäßig, er war unkonzentriert und sehr langsam. Am Nachmittag hatte er einen starken Rebound, der sich durch eine weitere Gabe am Mittag nur zeitlich verzögern ließ, aber nicht besser wurde.

Nachdem ich das wiederum dem Psychater berichtete, wechselten wir auf Elvanse und er bekam ab November 2020 40 mg. Die Wirkung war besser als zuvor aber immernoch nicht annähernd so gut wie ganz zu Beginn mit Medikinet. Der Psychiater empfahl deshalb nach 2 Monaten eine Steigerung auf 50 mg, die aber bis jetzt auch keine gravierende Besserung brachte.

Nach erneuter Rücksprache und der Bitte um einen weiteren Präparatswechsel meinte der Psychiater es bliebe nur Kinecteen, Methylphenidat HCL oder Concerta.
Nun habe ich keine Ahnung, was davon am erfolgversprechendsten ist.

Mir ist klar, dass jedes Medikament bei jedem Kind anders wirken kann, erhoffe mir aber doch bei Eurem Feeedback eine Tendenz was passen könnte.
Wie gesagt geht es in erster Linie um eine Konzentrationssteigerung, wobei aber beachtet werden muss, dass mein Sohn von Natur aus schon sehr langsam arbeitet, weil er sich oft im Detail verliert und sich das durch das Medikament nicht noch steigern sollte. Außerdem erhoffe ich mir, dass wir seine Wutausbrüche kontrolliert bekommen.

Wir sind in 2 Wochen in Mutter-Kind-Kur mit Schwerpunkt ADHS, hier ist zwar keine Medikamenteneinstellung möglich, mir wurde aber bei vorheriger Medikamentenumstellung eine entsprechende Begleitung durch den dortigen Arzt und Psychologen zugesagt.

Bis hierhin schonmal danke fürs Lesen!
Viele Grüße Tanja

AndreaA Offline



Beiträge: 1.215

28.05.2021 09:54
#2 RE: Weitere Medikation unklar Antworten

Hallo Tanja,
herzlich Willkommen hier im Forum.

Warum wird denn erst der Wirkstoff gewechselt um später wieder zu Methylphenidat zurückzukehren?

Es kann durchaus sein, dass die Medikation irgendwann erhöht werden muss (wurde das beim Medikinet versucht?). Das kann verschiedene Gründe haben. Es gibt stressigere Situationen, erhöhte Anforderungen, Pubertät, er ist gewachsen und schwerer geworden... . Dann wird (jedenfalls kenne ich es so) die Dosierung erhöht oder man probiert ein anderes Medikament (erstmal mit dem gleichen Wirkstoff).

Bei uns war der Wirkzeitraum bei Medikinet zu kurz. Die Wirkung ließ in der Schule schon nach (Gsnztagsschule). Deshalb haben wir ein anderes Medikament mit längerer Wirkungsdauer (mit Methylphenidat) probiert.

Es ist immer ein Versuch. Hier kann dir keine*r sagen, welches Medikament deinem Sohn hilft. Auch nicht welche Dosierung. Guck mal ins Karoffelmüsli (kann gerade nicht verlinken). Da stehen viele Medikamente mit Methylphenidat beschrieben.

So, muss jetzt wieder an die Arbeit.

Viele Grüße
Andrea

SusanneG Offline



Beiträge: 9.944

28.05.2021 13:05
#3 RE: Weitere Medikation unklar Antworten

Auch von mir ein herzliches Willkommen Rotalely !

Zitat von Rotalely im Beitrag #1
... ich hoffe, hier kann mir jemand weiterhelfen...

Dafür sind wir da und ja, wir gehen davon aus, dass wir dir weiterhelfen können.

Zitat von Rotalely im Beitrag #1
Medikinet retard 30 mg ... mit Einsetzen der Pubertät ließ die Wirkung merklich nach, ...

Es ist sowas von stinknormal, dass die Medikation mit beginnender Pubertät angepasst werden muss. In aller Regel hilft da eine Veränderung der Dosierung (und nein, das heißt nicht zwingend Erhöhung ... oft ist die bisherige Dosis in bzw. nach der Pubertät auch zu hoch) oder, wenn das nichts bringt, ein anderes Präparat mit Methylphenidat (MPH). Bereits jetzt schon den Wirkstoff zu wechseln ist Quatsch und führt in eine Sackgasse ...

Zitat von Rotalely im Beitrag #1
ab Juni 2020 7,5 mg Attentin.

Zitat von Rotalely im Beitrag #1
wechselten wir auf Elvanse

Zitat von Rotalely im Beitrag #1
... aber immernoch nicht annähernd so gut wie ganz zu Beginn mit Medikinet.

Was hast du erwartet? MPH hat funktioniert, es gab keinen Grund, den Wirkstoff zu wechseln. Evanse, Attentin, Strattera, Intuniv sind eine Option in erster Linie für Patienten, bei denen MPH eben nicht funktioniert.

Zitat von Rotalely im Beitrag #1
... meinte der Psychiater es bliebe nur Kinecteen, Methylphenidat HCL oder Concerta.

Sorry, aber ... back to the roots ... es bleiben ALLE Medikamente mit dem Wirkstoff MPH.

Zitat von Rotalely im Beitrag #1
Nun habe ich keine Ahnung, was davon am erfolgversprechendsten ist.

Jedes davon, egal welches.

Zitat von Rotalely im Beitrag #1
Mir ist klar, dass jedes Medikament bei jedem Kind anders wirken kann, ...

Nur um Missverständnisse zu vermeiden ... selbstverständlich wirkt jedes Medikament bei jedem anders. Auch jedes Medikament mit einem anderen Wirkstoff wirkt anders. So weit gilt das für so ziemlich alle Medikamente. Worum es hier geht, ist, dass auch jedes Präparat mit MPH bei ADHS-Patienten anders wirkt. Es gibt etwa ein Dutzend verschiedene MPH-Medikamente.

Zitat von Rotalely im Beitrag #1
... er wurde zunehmend unkonzentriert und hatte eine stark reduzierte Impulskontrolle mit unkontrollierten Wutausbrüchen

Zitat von Rotalely im Beitrag #1
Wie gesagt geht es in erster Linie um eine Konzentrationssteigerung, ...

STOP! Bitte verzeih mir, aber an diesem Punkt muss ich einfach einhaken. Das sind keine Konzentrationssteigerungs-Pillen und auch keine Lieb-Sein-Pillen! Es gibt nur einen einzigen Grund, einem ADHS-Kind Medikamente (wurscht, welche) zu geben: Wenn das Kind Leidensdruck hat. Hat dein Kind Leidensdruck?

Wenn nur Leidensdruck bei Eltern und Lehrkräften besteht, sollten diese die Medikamente bekommen. Nur damit Kinder lieb sind und aufpassen darf man ihnen keine Medikamente geben, egal welche.

Wenn es NUR um Konzentration und Impulskontrolle geht, kann Ergotherapie, ein Marburger Konzentrationstraining oder Neurofeedback helfen; man kann auch mal die Ernährung genauer anschauen, zeigt das Blutbild irgendwelche Mängel?

Sorry. Ich weiß, es geht dir nicht um Lieb-Sein-Pillen, es ist nur die Formulierung unglücklich gewählt. Dennoch will und muss ich hier dementieren. Denn ganz genau solche Aussagen - Kind bekommt Pillen für Konzentration und Lieb-Sein - sind es, die von Journalist zu Journalist übernommen werden und in den Medien ein Bild über ADHS zeichnen, das erstens nicht stimmt und uns zweitens überhaupt nicht weiterhilft, sondern schadet.

Zitat von Rotalely im Beitrag #1
... Mutter-Kind-Kur mit Schwerpunkt ADHS ...

In welch Klinik gehst du?

Zitat von AndreaA im Beitrag #2
Warum wird denn erst der Wirkstoff gewechselt um später wieder zu Methylphenidat zurückzukehren?

Jepp, genau das frage ich mich auch.

Zitat von AndreaA im Beitrag #2
Guck mal ins Karoffelmüsli (kann gerade nicht verlinken).

Kartoffelmüsli
Es sind nicht viele Artikel auf unserer Website - nur solche, die man woanders nicht findet. Ein bisschen Stöbern kann schon viele Fragen beantworten.

Auch wenn ich jetzt ein bisschen bissig rüberkam - ich will dir dabei helfen, Probleme und Ziele besser zu formulieren.

Lesen gefährdet die Dummheit

SusanneG Offline



Beiträge: 9.944

28.05.2021 13:10
#4 RE: Weitere Medikation unklar Antworten

Öhm ... noch was ...

Zitat von Rotalely im Beitrag #1
Methylphenidat HCL

Methylphenidathydrochlorid ist der Wirkstoff (MPH). Hier ist vermutlich MPH HCL Neuraxpharm gemeint (ein Generikum mit einer Wirkungsdauer von zwölf Stunden).

Lesen gefährdet die Dummheit

Rotalely Offline



Beiträge: 4

30.05.2021 22:45
#5 RE: Weitere Medikation unklar Antworten

Hallo Andrea,
danke für deine Antwort. Ich kann das im Nachhinein auch nicht verstehen, warum wir den Wirkstoff wechseln sollten.
Ich weiß gerade nur nicht, was ich dem Psychiater sagen soll, nachdem er 3 Präparate vorgeschlagen hat. Wie soll ich entscheiden welches mein Sohn nehmen soll? Er ist bei uns in der Gegend ziemlich bekannt und hat einen sehr guten Ruf, aber diese Vorgehensweise mir die Vorschläge per mail zu machen und die Entscheidung mir zu überlassen finde ich komisch.
Ich denke ich werde einfach auf einen persönlichen Termin bestehen und ihm das sagen.
Viele Grüße
Tanja

Rotalely Offline



Beiträge: 4

30.05.2021 23:09
#6 RE: Weitere Medikation unklar Antworten

Dankeschön Susanne

Ich habe versucht mein Probelm so konkret wie mir möglich zu formulieren, ist mir wohl doch nicht ganz gelungen.

Natürlich geht es mir nicht um Lieb-Sein-Pillen, mein Sohn hatte einen enormen Leidensdruck, deshalb haben wir uns erst mit der Medikation auseinandergesetzt und dann dafür entschieden. Er war in der Schule sehr unglücklich, weil er immer der war, der gestört hat und weil er gemerkt hat, dass es ihm nicht gelingt bei der Sache zu bleiben. Seine Lehrerin war zum Glück sehr verständnisvoll aber das änderte nichts an seinem Empfinden.
Durch das Medikinet fiel es ihm plötzlich leichter bei der Sache zu bleiben und sich zu konzentrieren, deshalb meine Aussage "zur Konzentrationssteigerung".
Genauso ist es jetzt wieder und auch seine Ausraster machen ihn kurz danach immer total unglücklich, weil er sich als Belastung empfindet. Ich habe ihm das nie so vermittelt aber er empfindet sich selbst so.

Mein Problem ist gerade, dass ich nicht weiß, wie ich zwischen den 3 Präparaten entscheiden soll und es auch nicht nachvollziehen kann, wieso der Psychiater mir die Entscheidung überläßt. Ich werde ihn um einen persönlichen Termin bitten und ihm das auch so sagen.

Jetzt muss alles schnell gehen, weil nur noch eine Woche bis zum Kurbeginn bleibt; wir fahren nach Arendtsee.
Viele Grüße
Tanja

SusanneG Offline



Beiträge: 9.944

31.05.2021 01:07
#7 RE: Weitere Medikation unklar Antworten

Zitat von Rotalely im Beitrag #5
nachdem er 3 Präparate vorgeschlagen hat. Wie soll ich entscheiden welches mein Sohn nehmen soll?

Zitat von Rotalely im Beitrag #6
Mein Problem ist gerade, dass ich nicht weiß, wie ich zwischen den 3 Präparaten entscheiden soll und es auch nicht nachvollziehen kann, wieso der Psychiater mir die Entscheidung überläßt.

Nachvollziehen kann ich das auch nicht. Aber die Entscheidung ist einfach: Kinecteen, Concerta, MPH NCL Neurax ... in genau dieser Reihenfolge ausprobieren.

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Rotalely Offline



Beiträge: 4

31.05.2021 16:34
#8 RE: Weitere Medikation unklar Antworten

Ich habe sogar für heute spontan einen Termin bekommen. Er meinte mit den drei Präparaten wollte er nur die Möglichkeiten aufzeigen, sie waren nur als Beispiel gedacht. Ich habe ein Rezept für Kinecteen 36mg bekommen, falls eine Anpassung nötig ist, soll das die Klinik veranlassen. Ich bin mal gespannt ob das so funktioniert.

Zitat von Rotalely im Beitrag #6

Nachvollziehen kann ich das auch nicht. Aber die Entscheidung ist einfach: Kinecteen, Concerta, MPH NCL Neurax ... in genau dieser Reihenfolge ausprobieren.



Ich habe mich nochmal genauer mit den Präparaten auseinandergesetzt; die Ausschüttung wurde bei Kinecteen mehrfach als sehr gleichmäßig beschrieben, deshalb wäre es jetzt auch meine erste Wahl gewesen. Ist das auch der Grund für die Reihenfolge, die du angegeben hast?

Danke auf jeden Fall nochmal für eure Hilfe!

SusanneG Offline



Beiträge: 9.944

31.05.2021 16:47
#9 RE: Weitere Medikation unklar Antworten

Nochmal ich ...

Zitat von SusanneG im Beitrag #7
Kinecteen, Concerta, MPH NCL Neurax ...

Von diesen drei Medis ist nur Concerta im Kartoffelmüsli beschrieben. Ich stelle mal die drei Medis gegenüber.

Gemeinsam haben sie die Wirkdauer von bis zu zwölf Stunden und den Überzug mit etwa einem Fünftel des Wirkstoffes, der sofort freigesetzt wird. Die Ausschüttung erfolgt sukzessive und relativ gleichmäßig, die Wirkung schleicht zum Abend hin aus und ein Rebound ist relativ selten.

Sie unterscheiden sich - neben den Inhaltsstoffen - in der Art und Weise der Freisetzung. Kinecteen setzt den Wirkstoff mittels einer langsam erodierenden Matrixtablette frei. Bei Concerta wird das OROS-Verfahren (oral osmotisch) angewandt. Neuraxpharm benutzt zu Tabletten verpresste retardierte Pellets. Wikipedia erklärt das einigermaßen verständlich.

Es ist also relativ wurscht, welches Produkt du wählst. Weshalb habe ich dann - entgegen meiner sonstigen Vorgehensweise - eine Reihenfolge vorgeschlagen? Naja, der Psychiater hält sich da offenbar fein raus und du hast gefragt . Außerdem ... Kinecteen wird vom gleichen (deutschen) Hersteller wie Medikinet produziert; man darf begründet davon ausgehen, dass man dort MPH "kann". Concerta ist ein Produkt der Janssen Cilag GmbH, der deutschen Tochter des Pharmakonzerns Johnson & Johnson, das seit etwa zwanzig Jahren auf dem Markt ist. MPH HCL Neuraxpharm ... hmmm ... es heißt wie ein Generikum und wurde auch als Generikum am Markt vorgestellt. Von der Art und Weise der Freisetzung bin ich nicht so ganz überzeugt und da es bei mir nicht funktioniert, bin ich hier befangen. Neurax hat allerdings gegenüber den beiden anderen Medis einen Vorteil: Man kann die Tablette teilen.

Du warst schneller ... ich unterbreche hier mal und schreibe später weiter.

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SusanneG Offline



Beiträge: 9.944

31.05.2021 18:17
#10 RE: Weitere Medikation unklar Antworten

Zitat von Rotalely im Beitrag #8
Er meinte mit den drei Präparaten wollte er nur die Möglichkeiten aufzeigen, sie waren nur als Beispiel gedacht.

Na, geht doch!

Zitat von Rotalely im Beitrag #8
Kinecteen 36mg

Das ist doch schön - Wunschmedi von uns allen dreien .

Zitat von Rotalely im Beitrag #8
falls eine Anpassung nötig ist, soll das die Klinik veranlassen

Hmmm ... Frage dort nach, ob sie das ggf. machen würden. Wenn nicht, lass dir das mit der Anpassung vom Doc schriftlich geben. Verglichen mit 30 mg Medikinet retard wäre 54 mg die passende Dosis. Aber - siehe weiter oben - es kann durchaus sein, dass bei einem anderen Medikament und im Hinblick auf die Pubertät auch die Dosierung niedriger sein kann.

Zitat von Rotalely im Beitrag #8
Ist das auch der Grund für die Reihenfolge, die du angegeben hast?

Nein. Siehe oben ...

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