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Dieses Thema hat 32 Antworten
und wurde 1.699 mal aufgerufen
 Kinder mit ADHS - Selbsthilfe für Eltern
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Sara Offline



Beiträge: 5

15.03.2018 10:30
#11 RE: Schulprobleme - Welche Schule ist geeignet? Antworten

BOAH! Ich bin total überwältigt von so viel Input und Anteilnahme, mir kamen sogar die Tränen... Ja, es ist wirklich nicht leicht mit so einer Sache auch emotional fertig zu werden. Zu sagen: Ja, ich nehme mein Kind so an wie es ist und dumme Kritik von Außen einfach abprallen zu lassen - das fällt mir immernoch total schwer. Aussagen wie "ADHS hat der nicht, das Kind braucht einfach mal nur klare Regeln und dem muss mal deutlich gezeigt werden, dass der so nicht mit anderen umgehen kann" (Telefonat mit iHilfe, Montag abend) gehen mir immernoch so nah, dass ich erst zornig werde und dann richtig depressiv. Verständnis für mein Kind habe ich bis jetzt nur von ganz wenigen Menschen bekommen...

Ich bin jetzt auch total motiviert eine lange Anreise in Kauf zu nehmen, um die SHG vor Ort einmal aufzusuchen. Sich mit anderen Betroffenen austauschen, überhaupt mal mit jemandem auszutauschen, der keine Fachkraft ist, ist so erleichternd!

Ich werde versuchen auf alles einzugehen:

ADHS/oppositionelle Störung/Autismus

Was ich eingangs vergessen habe zu sagen, ist dass mein Sohn zur ADHS eine "oppositionelle Störung des Sozialverhaltens" diagnostiziert bekommen hat. Das zeigt sich eigentlich mehr noch als das ADHS als unser Kernproblem, da sich aus jeder Kleinigkeit Konflikte entwickeln. Er ist grundsätzlich dagegen. Egal, was man von ihm möchte (anziehen, Zähne putzen, etc.) er sagt zuerst einmal NEIN! Er ist redegewandt und versucht einen in Diskussionen zu verstricken, um seinen Willen durchzusetzen und da hat er ein enormes Durchhaltevermögen! Es ist mittlerweile soweit, dass ich ihn beim 3. Nein packe und selbst anziehe oder ihm die Zähne putze, was ihm natürlich gar nicht gefällt.

Ob die Ursache für seine Konflikte doch ein Autismus sein könnte..., ich weiß nicht. Der Autismus würde unbedingt seinen völligen Mangel an Empathie, Einfühlungsvermögen und Verständnis für andere Menschen und deren Gefühle erklären. Sicher verstärkt diese Verständnislosigkeit seinen unbeirrbaren Konflikzwillen. Stets überspannt er den Bogen, beleidigt, ist frech oder unangemessen. Dass er das oft nicht bösartig macht, sondern weil er einfach nicht verstehen kann, was er damit in anderen Menschen auslöst, ist klar. Aber es verschlimmert natürlich viele Situationen, gerade bei Menschen, die seine Probleme nicht verstehen, sie fühlen sich angegriffen. Ich habe früher mit Gefühlskärtchen gearbeitet, versuche ihm heute immer zu erklären, was ich fühle, wenn das das oder jenes sagt. Oft stößt mir aber totales Desinteresse entgegen... Ich muss auch gestehen, dass ich mich bis jetzt relativ viel mit ADHS, aber nochn nicht mit Asperger beschäftigt habe.


Eigentlich sind unsere Ansagen immer ganz klar, Konsequenzen setzen wir immer durch (ich habe gelernt nur zu sagen, was ich auch durchsetzen kann), sein Tagesablauf, die Regeln und die Struktur sind immer die Gleichen, auch in der Schule. Dennoch hat er diese enormen Willen und ist grundsätzlich gegen alles. Zu Hause hatte bis vor einigen Wochen zumindest noch ein gewisses Harmoniebdürnis und wollte tatsächlich dann und wann auch einmal kooperieren, weil er merkte, dann haben wir alle eine schönere Zeit. Das hat sich aber in der letzten Zeit fast komplett gegeben und er ist nur noch auf das fixiert, was er gerade will. In der Schule geht das soweit, dass es ihm egal ist, ob er am Unterricht teilnimmt, er weigert sich zum Sport sein T-Shirt anzuziehen und bleibt in der Turnhalle 2 Stunden sitzen und verpasst den Unterricht.



Schule/iHilfe

So wird es in vielen Situationen in der Schule sein, wenn die Lehrerin etwas von ihm verlangt. Ich vermute, dass seine Reaktiognen oft nicht aus einer Reizüberflutung kommen, sondern aus seinem grundlegendem oppositionellem Verhalten (in dem Fall wollte die Lehrerin ein Heft in seine Postmappe tun) und das führt zum Konflikt. Im Konflikt selbst kann er sich natürlich nicht regulieren und DANN erst kommt es zur Reizüberflutung und dem Wutanfall. Die Ursache sehe ich aber meistens in seinem grundlegenden oppositionellen Verhalten, das ihm so innewohnt...

Wenn es dann zu einem Wutanfall kommt, konnte die alte iHilfe ihn gut mitnehmen, in einen anderen Raum gehen und etwas lesen o.Ä. Aber nun ist sie fort und der neue iHelfer (etwa Mitte 50) sieht sich offensichtlich nicht als Betreuer, sondern vielmehr als Erzieher und Kontrolleur... Ich habe heute morgen deswegen mit unserer Familienhilfe gesprochen, sollte die iHilfe länger bleiben, werden wir ein gemeinsames Gespräch suchen, denn so geht es natürlich nicht. Derzeit ist er nur bis Ostern eingeplant. Dennoch werde ich mich beim Amt über sein Verhalten beschweren.

Das Problem für viele normale Menschen ist auch, durch dieses krasse Auftreten und diese fordernde, bestimmende Art, die mein Sohn hat, dazu verleitet, zu glauben, er hätte ein enormes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, man überschätzt ihn total und nimmt nicht wahr, dass er ein sozial unterentwickeltes, immernoch kleines Kind ist, dass täglich quasi mit dem Gefühl des Andersseins überhäuft wird und gar kein Sebstwertgefühl hat. Er ist eigentlich noch ein kleiner Junge, der viel Zuneigung und Geduld benötigt. Vieles versteht er einfach nicht. Montag abend musste ich nach dem Gespräch mit der iHilfe und der Lehrerin weinen und er saß hilflos neben mir, er versteht gar nicht, was passiert...

Zur Situation am Montag sieht er sich immernoch im Recht. Eenn wir uns alle beruhigt haben möchte ich solche Situationen immer ein wenig aufarbeiten, damit er auch dazu kommt, sie zu reflektieren. Manchmal erreiche ich ihn, oft hat er aber gar kein Verständnis für die Reaktionen, die ihm entgegen schlagen. Die Postmappe würde "kaputt gehen, wenn man ein zusätzliches Heft rein tut" oder "die Postmappe habe ich bezahlt, die soll von der Lehrerin nicht kaputt gemacht werde!" (er hat sie weder bezahlt, noch achtet er je darauf, ob seine Sachen Schaden nehmen oder nicht, alle seine Hefte und Bücher sehen aus wie aus dem 2. Weltkrieg). Er steigert sich in solche Argumentationen rein und erfindet Tatsachen. Und das alles nur, weil er den Drang hat dagegen zu sein...


Zur Tagesgruppe

Die Tagesgruppe hier bei uns ist eine Einrichtung mit derzeit 14 Kindern (und etwa 5 Betreuern), die aus verschiedenen Gründen entweder nur am Wochenende zu Ihrer Familie gehen oder an 4 Tagen pro Woche in der Nachmittagsbetreuung dort sind. Ich hatte anfangs auch bedenken, weil wir schlechte Erfahrungen mit "Fachleuten" gemacht haben. Aber das hat sich hier überhaupt nicht bestätigt. Die Betreuer sind alle ähnlich: gelassen, sehr freundlich und den Kindern nah, unkompliziert und harmonisch. Das ist eine riesen Entlastung für uns. Bei jeder Übergabe wird besprochen wie der Tag war, wie seine stimmung ist, was gut war und was nicht so gut gelaufen ist. Ich fühle mich dort richtig gut aufeghoben und mit meinem Sohn verstanden. In seinem Altern gibt es ohnehin nur zwei andere Jungs mit denen er spielen kann.
Diese Möglichkeit hatte er vorher so gut wie gar nicht, weil wir von den anderen Familien in der Schule gemieden werden und sich niemand mit Sohn (Name gelöscht - Andrea) verabreden wollte. Auf die Dauer der einzige Spielgefährte für ein 8jähriges Kind zu sein, ist für beide sehr anstrengend.
Mit den beiden Jungs spielt er, immer unter Aufsicht, natürlich kommt es fast täglich zu Konflikten dabei, aber die Betreuer helfen den Kindern Konflikte positiv zu beenden, zu lernen nicht auszurasten und miteinander zu reden. Genau das ist das was mein Sohn braucht: Übung in Sozialverhalten und Selbstkontrolle. Und das klappt so prima. Derzeit ist es tatasächlich fast so, dass er in der Tagesgruppe am ümgänglichsten ist und sich dort oft am entspanntesten zeigt.

Wann oder wie sollte er sonst anfangen, zu üben aggessionslos mit anderen auszukommen? Im Verein sind wir gescheitert, weil niemand mehr mit ihm trainieren wollte, das war enorm traurig und eher ein Rückschlag für sein Selbstwertgefühl...


Medikation

Vor der Medikation, fast komplettes 1. Schuljahr, war Katastrophe, es waren auch ncoh mehr Kinder (darunter auch noch andere ähnliche Kinder), die sich täglich gegenseitig gut hoch geschakelt haben. Mein Sohn hat das Wesentliche an Lernstoff mitgenommen, aber mehr auch nicht. Die lehrerin war am Ende fix und fertig und konnte nur noch schrill reden... Viele der anderen "Probelmkinder" sind entweder sitzen geblieben oder auf die Förderschule gekommen, was die Situation sehr entspannt hat. Dann bekam er am Ende der 1. Klasse erstmals Medikamente und es war schon eine kleine Offenbarung. Heute frage ich mich, wie er überhaupt etwas mitnehmen konnte VOR der Medikation. Er hat mit den Medikamenten seine Stärken entdeckt, arbeitet schon Mathehefte für die 5. Klasse vor (zum Spass), kann konzentreiert Schach spielen. Ich bin sicher, dass das die Medikamente möglich gemacht haben.

Gestern habe ich eine neue Dosierung abgeholt (20mg Retard morgens), die wir am Samstag versuchsweise starten werden, um zu sehen, ob es damit besser klappt. Ich bin immer in Kontakt mit der Ärztin, werde sie, falls das nicht helfen sollte, mal nach einer Medikamentenumstellung befragen. Die Nebenwirkungen äußern sich in häufiger Übelkeit, Appetitlosigkeit (er ist schon sehr dürr) und Schlaflosigkeit...


Weiterführende Schule

Ihr habt mich auf jeden Fall überzeugt keine Schwerpunkt- oder Förderschule zu nehmen. Ich werde mich dann einfach mit in Frage kommenden Regelschulen beraten. Meine Erfahrung ist, dass man mit offenen Karten am Besten spielt. Die Lehrerin wird in alle Prozesse involviert, fühlt sich mit ihren Problemen ernst genommen und kann aktiv an den Prozessen mitwirken. Das fördert auch das Miteinander. Es war schon mal anders und vielleicht kippt das auch wieder. Aber bis jetzt haben wir alle Entwicklungsschritte immer gemeinsam an einem runden Tisch mit Therapeuten, Jugendamt und Familienhilfe positiv leiten können. Es war je nach Belastungssituation der Schule eine Gratwanderung, sich mal nicht regelmäßig zu melden. Oft fehlte mir ehrlich gesagt auch ein wenig die KRaft, mir die ganzen Eskapaden anzuhören, oft lade ich mir dann selbst gerne Schuldgefühle und Versagensgefühle auf. Aber das ist mein Problem, damit werde ich sicher besser umzugehen lernen, wenn ich mich mit anderen Betroffenen austauschen kann.


Fragen an Euch

Mir ist ganz neu, dass es eine spezielle Medikation für/mit Asperger gibt (Krümel)? Oder meinst Du in Kombi mit ADHS?

Wozu brauche ich eine Rechtsschutzversicherung mit Verwaltungrecht? Da bekomme ich etwas Angst :)

Wie sind Eure Erfahrungen mit iHelfern, sind das immer irgendwelche von der Straße aufgelesenen Menschen ohne jede Form von Einweisung und Vorwissen?


Jetzt weiß ich nicht, ob ich auf alle Eure Fragen eingegangen bin, bitte fragt noch einmal, wenn ich etwas überlesen habe!

Ich danke Euch jetzt schon aus ganzem Herzen,
Sara :)

AndreaA Offline



Beiträge: 753

15.03.2018 11:52
#12 RE: Schulprobleme - Welche Schule ist geeignet? Antworten

Hallo Sara,

nur ganz kurz (antworte heute Abend ausführlicher). Ich habe den Namen deines Sohnes gelöscht. Bitte schreibe keine persönlichen Daten (wie Wohnort / Name etc) hier rein. Es ist der öffentliche Teil des Forums. Da kann jeder reingucken. Auch z. B. Dein Sohn in ein paar Jahren und die I-Hilfe etc.

Liebe Grüße
Andrea

Sara Offline



Beiträge: 5

15.03.2018 13:35
#13 RE: Schulprobleme - Welche Schule ist geeignet? Antworten

Entschuldige bitte Andrea, das war wohl unbewusst. ich achte in Zukunft darauf!
VG

SusanneG Online



Beiträge: 8.743

15.03.2018 14:15
#14 RE: Schulprobleme - Welche Schule ist geeignet? Antworten

Zitat von Sara im Beitrag #11
Es ist mittlerweile soweit, dass ich ihn beim 3. Nein packe und selbst anziehe oder ihm die Zähne putze, was ihm natürlich gar nicht gefällt.

... aber (als dein Reflex) richtig ist. Er kennt die Konsequenz, er weiß, wann sie eintritt. Das Problem dabei ist nur, dass das mit "ihn anziehen oder ihm die Zähne putzen" von den Größenverhältnissen her nicht mehr lange funktioniert.

Zitat von Sara im Beitrag #11
Der Autismus würde unbedingt seinen völligen Mangel an Empathie, Einfühlungsvermögen und Verständnis für andere Menschen und deren Gefühle erklären.

Obacht! Es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen "Empathie ... zeigen" und "Empathie ... empfinden". Ich vermute jetzt einfach mal so vor mich hin, dass dein Sohn durchaus Empathie ... empfindet. Dass er sie nicht zeigt, liegt nicht an ihm, sondern an der Erwartungshaltung der Menschen um ihn herum.

Zitat von Sara im Beitrag #11
Ich habe früher mit Gefühlskärtchen gearbeitet, versuche ihm heute immer zu erklären, was ich fühle, wenn das das oder jenes sagt.

Wenn es nur um ADHS ginge, würde ich sagen, lass den Sch..., das kostet nur Kraft, ihn und dich. Da hier möglicherweise auch eine ASS im Spiel ist, möchte ich die Frage an @Krümel und @AndreaA und @mellissandra weitergeben.

Zitat von Sara im Beitrag #11
(ich habe gelernt nur zu sagen, was ich auch durchsetzen kann) ...

... und aushalten kann ...

Zitat von Sara im Beitrag #11
der neue iHelfer (etwa Mitte 50) sieht sich offensichtlich nicht als Betreuer, sondern vielmehr als Erzieher und Kontrolleur...

Genau so hab ich mir das vorgestellt. Vergiss diesen I-Helfer, er wird es nicht lernen. Er wird weder lernen, was sein Job ist, noch, in welchen Situationen er wie mit deinem Sohn umgehen soll. Traurig, aber leider wahr.

Zitat von Sara im Beitrag #11
ein sozial unterentwickeltes, immernoch kleines Kind ist,

Bei ADHS darfst du beim Sozialverhalten von seinem Alter bis zu einem Drittel abziehen - dort steht er mit seinen sozialen Fähigkeiten.

Zitat von Sara im Beitrag #11
Er steigert sich in solche Argumentationen rein und erfindet Tatsachen.

Isso. In der Phase des Reinsteigerns ist er nicht ansprechbar. Bis er sich wieder beruhigt hat, ist die betreffende Situation ichweißnichtwieoft an seinem inneren Auge vorbeigezogen und wenn er damit durch ist, weiß er, was richtig gewesen wäre. Und genau das erzählt er dir dann. Erfunden hat er dabei nichts - aber er hat etwas gelernt (was aber keinesfalls bedeutet, dass er sich künftig in gleichen Situationen so verhält, wie er sollte).

Zitat von Sara im Beitrag #11
Wann oder wie sollte er sonst anfangen, zu üben aggessionslos mit anderen auszukommen?

Sorry, aber das kann man nicht "üben". Um es zu lernen (was du wahrscheinlich meinst), braucht er ein artgerechtes Umfeld, das ihn nicht ständig unter Druck setzt. Und auch dann wird er es nicht unbedingt "lernen"; er wird nur feststellen, dass Aggressionen & Co. hier nicht notwendig sind.

Zitat von Sara im Beitrag #11
kann konzentreiert Schach spielen.

Klar kann er das. Weil es ihn interessiert und weil er es will!

Zitat von Sara im Beitrag #11
Ich danke Euch jetzt schon aus ganzem Herzen,

Gerne geschehen. Dafür sind wir da ...

Lesen gefährdet die Dummheit

AndreaA Offline



Beiträge: 753

15.03.2018 17:39
#15 RE: Schulprobleme - Welche Schule ist geeignet? Antworten

Zitat von Sara im Beitrag #11
BOAH! Ich bin total überwältigt von so viel Input und Anteilnahme, mir kamen sogar die Tränen... Ja, es ist wirklich nicht leicht mit so einer Sache auch emotional fertig zu werden. Zu sagen: Ja, ich nehme mein Kind so an wie es ist und dumme Kritik von Außen einfach abprallen zu lassen - das fällt mir immernoch total schwer. Aussagen wie "ADHS hat der nicht, das Kind braucht einfach mal nur klare Regeln und dem muss mal deutlich gezeigt werden, dass der so nicht mit anderen umgehen kann" (Telefonat mit iHilfe, Montag abend) gehen mir immernoch so nah, dass ich erst zornig werde und dann richtig depressiv. Verständnis für mein Kind habe ich bis jetzt nur von ganz wenigen Menschen bekommen...


Das kennen hier die meisten (wenn nicht alle) und ja es fällt schwer. Manchmal hat man ein dickeres Fell und man kann es abschütteln und manchmal ist man selber angeschlagen und es trifft einen. Vielleicht hilft es dir, dass du nicht alleine bist. Auch dafür ist es wichtig, sich Leute zu suchen, die einen verstehen oder einfach die emphatisch genug sind und erstmal nur zuhören ohne (unsinnige) Ratschläge zu geben. Denn auch Ratschläge sind Schläge (das was dir hilft sind Tipps ).
Ich habe mir beim ersten Anfangsverdacht auf ASS, ein Buch gekauft, was mir sehr geholfen hat, meinen Sohn und den Autismus, zu verstehen. Es heißt "Das Asperger Syndrom" von Tony Atwood. Das kann ich empfehlen.


Zitat

Schule/iHilfe

Wenn es dann zu einem Wutanfall kommt, konnte die alte iHilfe ihn gut mitnehmen, in einen anderen Raum gehen und etwas lesen o.Ä.



Das ist genau der richtige Ansatz. Den Jackpott hast du, wenn die I-Hilfe schon die Stimmungsschwankung mitbekommt und ihn vor dem Wutanfall rausziehen kann. So das es gar nicht zum Meltdown kommt. DER ist nämlich gerade für die Kinder sehr anstrengend und danach brauchen sie normalerweiseerstmal vollkommene Ruhe (geht meinem Zwergi jedenfalls so).

Zitat


Das Problem für viele normale Menschen ist auch, durch dieses krasse Auftreten und diese fordernde, bestimmende Art, die mein Sohn hat, dazu verleitet, zu glauben, er hätte ein enormes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, man überschätzt ihn total und nimmt nicht wahr, dass er ein sozial unterentwickeltes, immernoch kleines Kind ist, dass täglich quasi mit dem Gefühl des Andersseins überhäuft wird und gar kein Sebstwertgefühl hat. Er ist eigentlich noch ein kleiner Junge, der viel Zuneigung und Geduld benötigt. Vieles versteht er einfach nicht. Montag abend musste ich nach dem Gespräch mit der iHilfe und der Lehrerin weinen und er saß hilflos neben mir, er versteht gar nicht, was passiert...



Wovon soll er denn Selbstbewusstsein haben? Er stößt dochin vielen Situationen auf Ärger und Unverständnis. Dabei versteht er "unsere Welt" gar nicht. Er hat eine ganz andere Wahrnehmung.

Zitat

Zur Situation am Montag sieht er sich immernoch im Recht. Eenn wir uns alle beruhigt haben möchte ich solche Situationen immer ein wenig aufarbeiten, damit er auch dazu kommt, sie zu reflektieren. Manchmal erreiche ich ihn, oft hat er aber gar kein Verständnis für die Reaktionen, die ihm entgegen schlagen. Die Postmappe würde "kaputt gehen, wenn man ein zusätzliches Heft rein tut" oder "die Postmappe habe ich bezahlt, die soll von der Lehrerin nicht kaputt gemacht werde!" (er hat sie weder bezahlt, noch achtet er je darauf, ob seine Sachen Schaden nehmen oder nicht, alle seine Hefte und Bücher sehen aus wie aus dem 2. Weltkrieg). Er steigert sich in solche Argumentationen rein und erfindet Tatsachen. Und das alles nur, weil er den Drang hat dagegen zu sein...



Das eine hat aber mit dem anderen nichts zu tun.
Das eine macht ER. Das kann er kontrollieren. Das was die Lehrerin macht, kann er nicht kontrollieren. Beispiel: Zwergi kann laute Geräusche gar nicht haben. Die tun ihm weh, das macht ihm Angst. Seine CDs hat er manchmal so laut, dass ich im Erdgeschoss noch alles hören kann (vom DG ). Wenn er die CDs laut macht, kann er es kontrollieren uns braucht keine Angst zu haben.


Zitat

Wann oder wie sollte er sonst anfangen, zu üben aggessionslos mit anderen auszukommen? Im Verein sind wir gescheitert, weil niemand mehr mit ihm trainieren wollte, das war enorm traurig und eher ein Rückschlag für sein Selbstwertgefühl...



Er kann das aggressionslose nicht üben. Wichtig ist erstmal, dass er sich versteht und das er "unsere Welt" versteht. Er muss unsere Welt nur verstehen, er muss KEIN Teil unserer Welt sein!
Dafür habt ihr aber a) noch keine Diagnose (das läuft aber, dass ist gut) und b) ist er dafür auch noch jung. Irgendwann entwickelt er Strategien wie er mit manchen Situationen umgeht (da hoffen und arbeiten wir auch noch dran ).

Zitat




[b]Fragen an

Wozu brauche ich eine Rechtsschutzversicherung mit Verwaltungrecht? Da bekomme ich etwas Angst :)



Bei Problemen / Ärger mit Amt oder Schule ist das sehr sinnvoll. Manchmal wirkt ein Anwalt Wunder.

Zitat

Wie sind Eure Erfahrungen mit iHelfern, sind das immer irgendwelche von der Straße aufgelesenen Menschen ohne jede Form von Einweisung und Vorwissen?



Oh I-Helfer! Da könnte ich schon fast ein Buch drüber schreiben und über den Chef der I-Helfer. Der hat sowas von kein Bock mehr auf mich, dass der mittlerweile sehr genau guckt, wenn er mir schickt. Wir haben in 2 Jahren jetzt die 6. I-Helferin und das bei einem Kind im Autismus Spektrum das Struktur braucht. Wir hatten von 19 jährigen die ein FSJ gemacht haben (teilweise nicht da waren oder kamen und gingen wie sie wollten) bis hin zum 55 jährigen Mann, der selber einen Helfer gebraucht hätte, alles dabei. Unsere jetzige ist im Moment ganz gut. Lässt sich aber ein bisschen viel vom den Lehrern reinreden.

Liebe Grüße
Andrea

AndreaA Offline



Beiträge: 753

15.03.2018 17:55
#16 RE: Schulprobleme - Welche Schule ist geeignet? Antworten

Zitat von SusanneG im Beitrag #14

Zitat von Sara im Beitrag #11
Es ist mittlerweile soweit, dass ich ihn beim 3. Nein packe und selbst anziehe oder ihm die Zähne putze, was ihm natürlich gar nicht gefällt.

... aber (als dein Reflex) richtig ist. Er kennt die Konsequenz, er weiß, wann sie eintritt. Das Problem dabei ist nur, dass das mit "ihn anziehen oder ihm die Zähne putzen" von den Größenverhältnissen her nicht mehr lange funktioniert.


Och das funktioniert auch noch mit 11 Jahren . Bzw haben wir auch andere Methoden gefunden die helfen. Z. B. kitzeln wir ihn wenn er bei der 3. Ansage immer noch nicht aufgestanden ist. Mittlerweile brauchen wir nur noch "kitzeln" sagen und Zwergi springt aus dem Bett . Heißt nicht, dass er dann angezogen ist, gefrühstückt hat und Zähne sauber sind. Aber auf jeden Fall schon mal aufgestanden .

Zitat

Zitat von Sara im Beitrag #11
Der Autismus würde unbedingt seinen völligen Mangel an Empathie, Einfühlungsvermögen und Verständnis für andere Menschen und deren Gefühle erklären.

Obacht! Es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen "Empathie ... zeigen" und "Empathie ... empfinden". Ich vermute jetzt einfach mal so vor mich hin, dass dein Sohn durchaus Empathie ... empfindet. Dass er sie nicht zeigt, liegt nicht an ihm, sondern an der Erwartungshaltung der Menschen um ihn herum.



Klar hat dein Sohn Empathie. Sonst hätte er nicht gemerkt, dass etwas nicht stimmt, als du nach dem Telefonat geweint hast.

Zitat

Zitat von Sara im Beitrag #11
Ich habe früher mit Gefühlskärtchen gearbeitet, versuche ihm heute immer zu erklären, was ich fühle, wenn das das oder jenes sagt.

Wenn es nur um ADHS ginge, würde ich sagen, lass den Sch..., das kostet nur Kraft, ihn und dich. Da hier möglicherweise auch eine ASS im Spiel ist, möchte ich die Frage an @Krümel und @AndreaA und @mellissandra weitergeben.



Ich habe nicht mit Gefühlskärtchen gearbeitet (wobei ich das ok finde - wenn es hilft - kennst du einen Autisten, kennst du genau EINEN Autisten), aber wenn ich merke, dass Zwergi mein Gefühl gerade nicht versteht, sage ich ihm auch z. B. dass ich traurig bin oder das ich Kopfschmerzen habe und etwas Ruhe brauche.

Zitat

Zitat von Sara im Beitrag #11
der neue iHelfer (etwa Mitte 50) sieht sich offensichtlich nicht als Betreuer, sondern vielmehr als Erzieher und Kontrolleur...

Genau so hab ich mir das vorgestellt. Vergiss diesen I-Helfer, er wird es nicht lernen. Er wird weder lernen, was sein Job ist, noch, in welchen Situationen er wie mit deinem Sohn umgehen soll. Traurig, aber leider wahr.


Ja, da stimme ich Susanne 100 %ig zu.

Liebe Grüße
Andrea

Krümel Offline



Beiträge: 146

15.03.2018 19:21
#17 RE: Schulprobleme - Welche Schule ist geeignet? Antworten

Hallo Sara,
schön wieder von Dir zu lesen. Aber Achtung - wir machen süchtig . Nein, natürlich Spaß .
Aber es ist schön zu lesen wie sehr Du für Dein Kind kämpfst. Da siehst Du mal was Du für eine starke Frau bist und DAS solltest Du Dir mal vor Augen halten! Das ist toll.

Du versteht Vieles nicht, was da auf Deinen Sohni einprasselt. Sein Wirbelsturm um ihn rum ist noch viel heftiger und er "reagiert" auf seine Umwelt. Natürlich nicht immer adequat, aber wie soll er auch. Es herrscht ein derartiger Druck auf ihn und er reagiert mit Gegendruck. Das ist klar.

Die Diagnose oppositionelles Verhalten steht auch bei meinem Sohni................aber jetzt wollen wir mal Niemanden auf eine Diagnose reduzieren. Das läuft ja alles noch.

Mach da erst mal weiter. Erst die Diagnose, dann die Therapie. Vieles ist sehr ähnlich, meist herrscht ja die Komorbidität beim Aspie zu adhs und von daher bist Du auf dem richtigen Weg. Klare Ansage: Anfordern, Einfordern, Kontrollieren. Absolute Verlässlichkeit und Ehrlichkeit. Grundsätzlich nur das sagen, was man auch umsetzen kann.

Diskutieren kannst Du mit Deinem Zwergi knicken. Er wird immer in Opposition gehen und sich in Rage reden. Daher klare Ansage: Du bist der Bestimmer. Signalwörter wie Stop oder Halt können vereinbart werden und auch Sohni helfen, wenn er sich in Rage geredet hat. So ging es unserem Kerl . Das konnte auch die Lehrerin anwenden.

Ganz wichtig sind Auszeiten. Etwas was Deinem Kind gut tut. Das ist aber sehr unterschiedlich von Mensch zu Mensch und das kann sich auch ändern. Wir hatten da von Waldspaziergängen über snoozeln, Vorlesen, Steine stapeln und und und. DAS darf Sohni entscheiden.

Ich finde es super klasse, dass es in der Tagesgruppe so toll klappt. Prima. Das ist ja wunderbar für ihn und für Dich.

I-Hilfe: das ist ein Thema für sich.......da hatten wir auch positive und negative Erfahrungen. Letztlich gibt es 2 Möglichkeiten. Entweder es klappt, oder es klappt nicht. Das war bei uns nicht abhängig von der Ausbildung der betreffenden Person sondern vom Zugang die die I-Hilfe zum Kind aufbauen kann.

Deine Frage zur Medikation: Falls bei Deinem Sohn das Asperger Syndrom diagnostiziert wird kann ich Dir gerne die Medikation durchgeben, die bei ihm sehr gut anschlägt. Das kannst Du dann gerne mit Deinem Arzt besprechen und dann kann die individuelle Medikation für Dein Kind besprochen werden.

Diese Versicherung haben wir tatsächlich schon in Anspruch genommen, da wir mal mit einem Anwalt zu einem Runden Tisch beim JA erschienen. Dort wurde grundsätzlich die Diagnose in Frage gestellt. Das Übliche eben......Eltern die mit der Erziehung überfordert sind......das wurde mit der Anwesenheit des Anwaltes schnell deutlich besser.

Ja und Angst brauchst Du vor Nichts und Niemandem haben. Du fragst hier einfach, was Dir auf dem Herzen liegt.

Wir waren Alle schon in dem Schlamassel in dem Du gerade steckst. Da stecken wir auch immer mal wieder drin und ziehen und gegenseitig raus. Eins ist klar. Du bist jetzt nicht mehr allein und musst das auch nicht mehr alleine aushalten. Gemeinsam schaffen wir das!

Jetzt wünsche ich Dir erst mal einen entspannten Abend!
Ganz lieben Gruß,
Krümel

Sara Offline



Beiträge: 5

19.03.2018 10:40
#18 RE: Schulprobleme - Welche Schule ist geeignet? Antworten

Guten Morgen zusammen :)

Vielen Dank für Eure vielen konstruktiven Antworten! Mein Partner liest nun auch mit, und für uns beide ist es schön zu hören, dass man nicht allein ist, weder mit den Problemen noch mit Hilfestellungen!

Zitat von Krümel im Beitrag #17
Ganz wichtig sind Auszeiten. Etwas was Deinem Kind gut tut. Das ist aber sehr unterschiedlich von Mensch zu Mensch und das kann sich auch ändern. Wir hatten da von Waldspaziergängen über snoozeln, Vorlesen, Steine stapeln und und und. DAS darf Sohni entscheiden.


Ich werde das mal im kommenden Schulgespräch mit unserer Familientherapeutin und der Lehrerin vorschlagen. Das wäre sicherlich prima für meinen Sohn, deswegen hat es viellleicht auch mit der anderen iHilfe besser geklappt in der Schule. Ob die jtztige lesen kann, wage ich noch zu bezweifeln - und ob sie das machen würde. Der Typ will dort nur seine Zeit absitzen

Zitat von AndreaA im Beitrag #15
Oh I-Helfer! Da könnte ich schon fast ein Buch drüber schreiben und über den Chef der I-Helfer. Der hat sowas von kein Bock mehr auf mich, dass der mittlerweile sehr genau guckt, wenn er mir schickt. Wir haben in 2 Jahren jetzt die 6. I-Helferin und das bei einem Kind im Autismus Spektrum das Struktur braucht.


Zitat von SusanneG im Beitrag #14
Genau so hab ich mir das vorgestellt. Vergiss diesen I-Helfer, er wird es nicht lernen. Er wird weder lernen, was sein Job ist, noch, in welchen Situationen er wie mit deinem Sohn umgehen soll. Traurig, aber leider wahr.


Unglücklicherweise scheint es hier bei uns GAR keine iHilfen zu geben, der Typ, der gerade da ist, ist auch nur Springer. Wir haben also nicht mal die Möglichkeit einer Auswahl... Nehmen, was da ist. Auch das könnte bei einem Wohnortwechsel vielleicht entspannter werden. Aber nach Euren Schilderungen sind das ja oft leider irgendwelche heiopeis... Das verstehe ich nicht, wenn man schon merkt, da ist ein Kind, das nicht einfach ist und kompetente Unterstützung benötigt und dann schickt man die unqualifiziertesten Menschen auf diese Kinder los...!?


Zitat von Krümel im Beitrag #17
Diskutieren kannst Du mit Deinem Zwergi knicken. Er wird immer in Opposition gehen und sich in Rage reden. Daher klare Ansage: Du bist der Bestimmer. Signalwörter wie Stop oder Halt können vereinbart werden und auch Sohni helfen, wenn er sich in Rage geredet hat. So ging es unserem Kerl . Das konnte auch die Lehrerin anwenden.


Ich hatte so etwas im Ansatz schon einmal versucht, aber wenn er in Rage ist, hört er auf nichts mehr. Mittlerweile bin ich dazu über gegangen ihm die Ansage und die Konsequenz auf sein Verhalten so knapp es geht noch einmal zu erklären, dann tobt er eine Weile, verschwindet auf sein Zimmer, wirft Sachen aus dem Fenster, kommt dann oft runter und ist wieder beruhigt. Dann gehen wir raus und sammeln alles wieder ein


Zitat von Krümel im Beitrag #17
Dieese Versicherung haben wir tatsächlich schon in Anspruch genommen, da wir mal mit einem Anwalt zu einem Runden Tisch beim JA erschienen. Dort wurde grundsätzlich die Diagnose in Frage gestellt. Das Übliche eben......Eltern die mit der Erziehung überfordert sind......das wurde mit der Anwesenheit des Anwaltes schnell deutlich besser.


Ja, ok, ich vestehe! Das JA wollte uns erst nach dem Kindergarten gar nichts mehr finanzieren, ich habe viel mit der Frau von der Finanzabteilung am Telefon gesprochen und gestritten. Die haben total blockiert. Zum Glück haben wir eine prima Betreuerin am JA, die diese andere Dame mit an einen runden Tisch geschleift hat, an dem alle Therapeuten und Berater und die Lehrerin sehr dringlich die Notwendigkleit der Hilfe klar gemacht haben und seitdem geht alles: iHelfer, Heilpädagogik, Tagesgruppe, Familienhilfe... Dann sagte die noch zu mir am Telefon: "Aber erzählen Sie das bitte nicht anderen Eltern, dass wir Ihnen die Hilfen gewährt haben!" Recht bekommt man offenbar nur, wenn man drastisch agiert...
Aber ja, das wäre fast in die Hose gegangen und wenn mit einem Wohnortwechsel ein neues JA zuständig ist, wäre das sicherlich ratsam. Danke Euch für den Tipp!


Zitat von Krümel im Beitrag #17
Deine Frage zur Medikation: Falls bei Deinem Sohn das Asperger Syndrom diagnostiziert wird kann ich Dir gerne die Medikation durchgeben, die bei ihm sehr gut anschlägt. Das kannst Du dann gerne mit Deinem Arzt besprechen und dann kann die individuelle Medikation für Dein Kind besprochen werden.


Unbedingt... Im April wissen wir mehr! Danke!


Zitat von SusanneG im Beitrag #14
Sorry, aber das kann man nicht "üben". Um es zu lernen (was du wahrscheinlich meinst), braucht er ein artgerechtes Umfeld, das ihn nicht ständig unter Druck setzt. Und auch dann wird er es nicht unbedingt "lernen"; er wird nur feststellen, dass Aggressionen & Co. hier nicht notwendig sind.


Ich denke, das Umfeld haben wir mit der Tagesgruppe gefunden. Es wird dort sehr individuell auf seine Bedürfnisse eingegangen, sie unterstützen ihn in Konfliktsituationen, bieten aber auch einen guten Rahmen mit Struktur, damit er mit anderen Kindern spielen, turnen und Alltag verbringen kann. Das hat uns vorher sehr gefehlt, andere Kinder um ihn herum.
Unter Druck wird er natürlich mit den Regeln gesetzt, die es dort gibt, also feste Zeiten, Rituale und Abläufe. Dagegen rebelliert er natürlich, aber die immer gleiche Struktur ist ihm auch hilfreich.


Zitat von AndreaA im Beitrag #16

Ich habe nicht mit Gefühlskärtchen gearbeitet (wobei ich das ok finde - wenn es hilft - kennst du einen Autisten, kennst du genau EINEN Autisten), aber wenn ich merke, dass Zwergi mein Gefühl gerade nicht versteht, sage ich ihm auch z. B. dass ich traurig bin oder das ich Kopfschmerzen habe und etwas Ruhe brauche.


Das tue ich auch immer wieder, aber ich habe das Gefühl, ich könnte auch mit der Katze sprechen. Vielleicht ist da Ausdauer gefragt, damit etwas davon bei ihm ankommt.

Zitat von SusanneG im Beitrag #14

Obacht! Es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen "Empathie ... zeigen" und "Empathie ... empfinden". Ich vermute jetzt einfach mal so vor mich hin, dass dein Sohn durchaus Empathie ... empfindet. Dass er sie nicht zeigt, liegt nicht an ihm, sondern an der Erwartungshaltung der Menschen um ihn heru


Ja, doch, Du hast Recht. Er ist einerseits super empathisch, wenn es um Tiere geht. Da werden MArienkäfer gefütter und gebettet, er macht sich sorgen um die Käfer, die den winter nicht überleben und fängt an zu weinen, wenn ich eine Maus töten muss, die die Katze halb tot hat liegen lassen. Andererseits gibt es mehr Momente, in denen er die Katze quält, festhält, quetscht oder die Hunde von Oma terrosiert, weil er Spaß mit ihnen machen will. Das sind so zwei Gesichter von ihm, was Empathie angeht, die so widersetzlich sind.
Aber ich gebe zu, oft erwarte ich auch zwischenmenschlich zu viel von ihm. Ich habe noch zu wenig Verständnis für seine Wahrnehmung. Er ist oft einfach überdurchschnittlich witzig, kann richtig gut schauspielern und versteht oft die alltäglichen Dinge überraschend gut, da ist er sicherlich vielen Kindern überlegen. Und dann wieder fällt er im Bereich des Zwischenmenschlichen auf die ENtwicklungsstufe eines Dreijährigen zurück - ich muss gestehen, das muss ich mir noch bewußter machen, das er das nicht absichtlich macht, sondern, dass er diese Dinge tatsächlich einfach nicht versteht, auch wenn man sie ihm 100 Mal erklärt hat.

Er ist oft wie Mr Jekyll und Dr. Hyde...


Zitat von AndreaA im Beitrag #15
Wovon soll er denn Selbstbewusstsein haben? Er stößt dochin vielen Situationen auf Ärger und Unverständnis. Dabei versteht er "unsere Welt" gar nicht. Er hat eine ganz andere Wahrnehmung.


Das Problem ist, dass kaum Erwachsener in unserem Umfeld das verstehen möchte.Das fängt bei den anderen Eltern in der Schule an, Passanten, Bekannte, die Lehrerin hat keine Kapazitäten sich viel weiter zu bilden und hört beim iHelfer auf, der eigenlich da sein sollte, um zu helfen. Wenn ich anfange etwas darüber zu erklären, dass er ADHS hat und seine Wahrnehmung anders ist als die der anderen, gucken die meisten Menschen schon unverständig und mitleidig auf mich. Ihre Blicke sagen dann schon: Ja klar, tolle Ausrede für dein Nichtvermögen, dein Kind zu erziehen. ADHS gibts gar nicht!" Im Lidl hat mein Mann schon Prügel und Polizei angedroht bekommen, als er das Kind im Wutanfall gepackt und zum Auto getragen hat...

Die ersten Menschen, die ihn geduldig und freundlich aufgenommen haben, waren die Betreuer der Tagesgruppe und unsere Familienhilfe. Aber im privaten Bereich traue ich mich auch kaum mit ihm irgendwo hin zu gehen...


Zitat von AndreaA im Beitrag #15
Ich habe mir beim ersten Anfangsverdacht auf ASS, ein Buch gekauft, was mir sehr geholfen hat, meinen Sohn und den Autismus, zu verstehen. Es heißt "Das Asperger Syndrom" von Tony Atwood. Das kann ich empfehlen.


Vielen Dank!



Zitat von Krümel im Beitrag #17

Ja und Angst brauchst Du vor Nichts und Niemandem haben. Du fragst hier einfach, was Dir auf dem Herzen liegt.

Wir waren Alle schon in dem Schlamassel in dem Du gerade steckst. Da stecken wir auch immer mal wieder drin und ziehen und gegenseitig raus. Eins ist klar. Du bist jetzt nicht mehr allein und musst das auch nicht mehr alleine aushalten. Gemeinsam schaffen wir das!


Danke Krümel, anfangs hatte ich doch ein wenig befürchtet auf Unverständnis zu stoßen, weil ich eben einfach noch nicht so weit bin wie Ihr, mir die Erfahrung und viel Kompetenz fehlt.
Ich überlege hier vor Ort mit einer anderen Mutter, die unser Kinderarzt mir empfohlen hat, eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Das motiviert mich auch ein wenig, es hier noch ein wneig auszuhalten, ganz ohne soziales Leben.

Es werden sicherlich noch einige Fragen kommen, mit denen ich Euch dann belästigen werde




ALLEN GANZ HERZLICHEN DANK!
Sara

SusanneG Online



Beiträge: 8.743

19.03.2018 14:35
#19 RE: Schulprobleme - Welche Schule ist geeignet? Antworten

Zitat von Sara im Beitrag #18
Das verstehe ich nicht, wenn man schon merkt, da ist ein Kind, das nicht einfach ist und kompetente Unterstützung benötigt und dann schickt man die unqualifiziertesten Menschen auf diese Kinder los...!?

Hmmmnja ... mal ganz ehrlich: Wenn du im Umgang mit autistischen und ADHS-Kindern Erfahrung und kompetentes Wissen hättest, würdest du dann für achtfuffzich pro Stunde arbeiten? Bei drei Wochenstunden läuft das Arbeitslosengeld weiter, bei zwei Wochenstunden handelt es sich noch um eine geringfügige Beschäftigung. Die allermeisten I-Helfer arbeiten Teilzeit, davon kann man schlicht nicht leben.

Zitat von Sara im Beitrag #18
... aber wenn er in Rage ist, hört er auf nichts mehr.

Er hört maximal auf Zwei-Wort-Sätze, besser noch auf nur ein Wort. Mehr geht nicht. Es geht einfach nicht! Halt! Stopp! Ey! sind die wirkungsvollsten, gerne verbunden mit dem Handzeichen in Form eines T (beim Handball-Schiedsrichter bedeutet das "Auszeit").

Zitat von Sara im Beitrag #18
... am Telefon gesprochen und gestritten.

Man nennt mich mitunter Gebetsmühle ... . Vergiss die Telefoniererei mit Ämtern. Schreib!

Zitat von Sara im Beitrag #18
Ich denke, das Umfeld haben wir mit der Tagesgruppe gefunden.

Er hat dort ein akzeptables Umfeld gefunden, das besser ist als in der Schule. Davon, was wir unter "artgerechter Haltung" verstehen, ist es aber noch meilenweit entfernt.

Zitat von Sara im Beitrag #18
Unter Druck wird er natürlich mit den Regeln gesetzt, ...

Quod erat demonstrandum (Was zu beweisen war).

Zitat von Sara im Beitrag #18
Vielleicht ist da Ausdauer gefragt, damit etwas davon bei ihm ankommt.

Nope! Solcherart Ausdauer ist kontraproduktiv. Formuliere deine Sätze positiv (also ohne Wörter wie "nicht", "kein" etc.), und halte sie kurz. Mach eine angemessene Pause zwischen den Sätzen. Benutze keine Redewendungen.

Zitat von Sara im Beitrag #18
... oft erwarte ich auch zwischenmenschlich zu viel von ihm.

"Zwischenmenschlich" ist für ihn weitaus schwieriger als Mathe. Du kannst da gar nicht wenig genug erwarten.

Zitat von Sara im Beitrag #18
Ich habe noch zu wenig Verständnis für seine Wahrnehmung.

Ja, das fällt uns auch auf. Das liegt nicht unbedingt an dir. Es liegt daran, dass du bezüglich seines Verhaltens die Erwartungen der Umwelt erfüllen möchtest. Ich sehe, du arbeitest daran. Weiter so!

Seine Wahrnehmung ... Wenn du dir seine Wahrnehmung auch nur im Ansatz verstehen kannst, dann kannst du - wann immer es möglich ist - Umweltbedingungen für ihn schaffen, die nicht zu einem Overload (Reizüberflutung) führen. Stell dir mal folgende Situation vor:

In dem Zimmer, in dem du dich aufhältst, sind alle Lichtquellen eingeschaltet, ein Strahler scheint dir ziemlich genau ins Gesicht. Im Radio läuft Musik, leider ist der Sender nicht richtig eingestellt. Im Fernseher läuft eine Talkshow. Aus der Küche duftet der Apfelkuchen im Backofen, dicht vor dir steht ein offener Topf Wick Vap-o-rub (Pinimenthol, japanisches Heilkräuteröl - hab ich was vergessen?). Du kaust gerade einen Kaugummi und schiebst ein Stück Schokolade in den Mund. Dein Pulli kratzt, eine Ameise läuft deinen Arm entlang. Der eine Fuß steckt mit einer Wollsocke in Sneakers, der andere ohne Strumpf in Peeptoe-Highheels.

Du gibst dir die allergrößte Mühe, das auszuhalten. Und du versuchst, dich so zu verhalten, wie man dir immer wieder sagt, dass du dich verhalten sollst. Und jetzt versucht jemand, von der offenen Tür aus mit dir zu sprechen, einen langen Satz nach dem anderen, und - nachdem du nicht erwartungsgemäß reagierst, läuft diese Person durchs Zimmer und reißt das Fenster auf, bei fünf Grad plus und Regen.

Hältst du das immer noch aus? Sei ehrlich!

So oder so ähnlich stürzen Wahrnehmungen auf deinen Sohn ein, den ganzen Tag, ohne Pause. Irgendwann macht er zu, irgendwann kann er nicht mehr. Wenn er sich nicht zurückziehen kann, hält er sich irgendwann die Ohren zu und brüllt (oder reagiert anders, ist bei jedem unterschiedlich). Was du als Wutanfall deutest, ist in Wirklichkeit nur ein Hilfeschrei nach weniger Reizen.

Zitat von Sara im Beitrag #18
... dass er diese Dinge tatsächlich einfach nicht versteht, auch wenn man sie ihm 100 Mal erklärt hat.

Bitte nicht böse sein, Sara - aber diese Vorlage muss ich nutzen .

Das denkt dein Sohn auch ... dass du seine Bedürfnisse einfach nicht verstehst, auch wenn er sie dir 100 Mal erklärt (ausgedrückt) hat.

Zitat von Sara im Beitrag #18
Wenn ich anfange etwas darüber zu erklären, dass er ADHS hat und seine Wahrnehmung anders ist als die der anderen, gucken die meisten Menschen schon unverständig und mitleidig auf mich.

Lasses. Die Menschen wollen das gar nicht verstehen. Sie hören dir nicht Sinn erfassend zu. Das ist für sie so interessant wie es für dich interessant wäre, wenn dir jemand detailgetreu beschreibt, wie letzte Woche der Sack Reis in China umgefallen ist. Sie hören dir auch dann nicht zu, wenn sie dir eine Frage gestellt haben.

Da hilft nur eins: Frage die Leute, was genau sie jetzt wissen wollen, was genau sie interessiert. Sollten sie tatsächlich eine Frage stellen, beantworte sie so kurz wie irgend möglich, in maximal drei Sätzen. Damit hast du schon weitaus mehr erreicht als mit jeder Erklärung, was denn eine ADHS ist und wie sie sich anfühlt.

Zitat von Sara im Beitrag #18
... als er das Kind im Wutanfall gepackt und zum Auto getragen hat...

Mal abgesehen davon, dass er weitergebrüllt hat, weil er unerwartet angefasst wurde ... dein Mann hat doch damit genau das getan, was das Publikum eingefordert hat: dem Kind zeigen, wer sich wem unterzuordnen hat. Wie lange wären denn die Zuschauer auf Papas Seite gewesen, wenn er Sohni im Laden hätte brüllen lassen?

Zitat von Sara im Beitrag #18
... weil ich eben einfach noch nicht so weit bin wie Ihr, mir die Erfahrung und viel Kompetenz fehlt.

Erfahrung fliegt einen nicht an, das ist harte Arbeit, jahrelange Versuche, das Richtige zu tun; jahrelanges Lesen von Fachliteratur, jahrelange Teilnahme an Informations- und Fortbildungs-Veranstaltungen. Einige von uns sind seit so um die zwanzig Jahren im Thema; andere noch nicht so lange, dafür stecken sie gerade mittendrin im aktuellen Erleben.

Zitat von Sara im Beitrag #18
.. mit einer anderen Mutter, die unser Kinderarzt mir empfohlen hat, eine Selbsthilfegruppe zu gründen ...

Ja, mach das. Eine Selbsthilfegruppe, auch wenn du sie zunächst nur aus dir und dieser einen anderen Mama besteht, wird dich persönlich unwahrscheinlich viel weiterbringen. Zur Gründung von Selbsthilfegruppen gibt es viele Informationen, aber das würde hier den Rahmen sprengen.

Zitat von Sara im Beitrag #18
Es werden sicherlich noch einige Fragen kommen, mit denen ich Euch dann belästigen werde

Siehe oben - dafür sind wir da.

Lesen gefährdet die Dummheit

AndreaA Offline



Beiträge: 753

19.03.2018 15:30
#20 RE: Schulprobleme - Welche Schule ist geeignet? Antworten

Zitat von SusanneG im Beitrag #19
Zitat von Sara im Beitrag #18
Das verstehe ich nicht, wenn man schon merkt, da ist ein Kind, das nicht einfach ist und kompetente Unterstützung benötigt und dann schickt man die unqualifiziertesten Menschen auf diese Kinder los...!?

Hmmmnja ... mal ganz ehrlich: Wenn du im Umgang mit autistischen und ADHS-Kindern Erfahrung und kompetentes Wissen hättest, würdest du dann für achtfuffzich pro Stunde arbeiten? Bei drei Wochenstunden läuft das Arbeitslosengeld weiter, bei zwei Wochenstunden handelt es sich noch um eine geringfügige Beschäftigung. Die allermeisten I-Helfer arbeiten Teilzeit, davon kann man schlicht nicht leben.


Eben! Die bekommen keine anderen Kräfte. Unsere I-Helferin hat sich weitergebildet, gerade für Kinder mit Autismus. Sie bekommt genau soviel wie eine völlig ungelernte Kraft (entweder im FsJ oder frühere Hausfrau).

Zitat

Zitat von Sara im Beitrag #18
... aber wenn er in Rage ist, hört er auf nichts mehr.

Er hört maximal auf Zwei-Wort-Sätze, besser noch auf nur ein Wort. Mehr geht nicht. Es geht einfach nicht! Halt! Stopp! Ey! sind die wirkungsvollsten, gerne verbunden mit dem Handzeichen in Form eines T (beim Handball-Schiedsrichter bedeutet das "Auszeit").


Bei uns ist es "WAG DICH!" laut und energisch gesprochen. Dann geht es nur noch mit Reizminimierung. Er geht dann in sein Zimmer, Tür zu! Da hockt er dann ganz lange auf seinem Bett und teilweise schaukelt er hin und her oder er verkriecht sich unter seiner Decke. Wenn es dann wieder geht kommt er raus und DANN und wirklich FRÜHESTENS dann, kann man mit ihm darüber sprechen. Manchmal auch erst abends. Wir sprechen sachlich und ohne Vorwürfe sondern rekonstruieren erstmal und bauen ihn wieder auf. Die Vorwürfe macht er sich nämlich.

Zitat

Zitat von Sara im Beitrag #18
... am Telefon gesprochen und gestritten.

Man nennt mich mitunter Gebetsmühle ... . Vergiss die Telefoniererei mit Ämtern. Schreib!



Jepp! Wenn schreibt der bleibt und du hast es sofort vor dir liegen und keiner kann sagen, er hätte das nicht gewusst, anders verstanden, du hättest es nicht gesagt. Natürlich von jedem Schreiben eine Kopie für deine Unterlagen!

Zitat

Zitat von Sara im Beitrag #18
Ich denke, das Umfeld haben wir mit der Tagesgruppe gefunden.

Er hat dort ein akzeptables Umfeld gefunden, das besser ist als in der Schule. Davon, was wir unter "artgerechter Haltung" verstehen, ist es aber noch meilenweit entfernt.


Und es ist eine permanente Reizüberflutung. So lange ihm das dort gefällt, gut. Aber er braucht dann zu Hause erstmal mindestens 30 Minuten Ruhe. Damit er wieder zu sich kommen kann.

Zitat

Zitat von Sara im Beitrag #18
Unter Druck wird er natürlich mit den Regeln gesetzt, ...

Quod erat demonstrandum (Was zu beweisen war).

Zitat von Sara im Beitrag #18
Vielleicht ist da Ausdauer gefragt, damit etwas davon bei ihm ankommt.

Nope! Solcherart Ausdauer ist kontraproduktiv. Formuliere deine Sätze positiv (also ohne Wörter wie "nicht", "kein" etc.), und halte sie kurz. Mach eine angemessene Pause zwischen den Sätzen. Benutze keine Redewendungen.



Genau!! Keine Redewendungen! Unser Zwerg Nase versteht die auch nicht. Ich habe mal gesagt (als ich auf beide Jungs sauer war, weil die sich gestritten haben im Auto - das mag ich gar nicht):
" Wenn ihr nicht sofort aufhört, könnt ihr mich mal gerne haben!!" Daraufhin Zwerg Nase mit großen Augen: "Mama wenn du nicht so böse bist, habe ich dich nicht nur gerne, sondern auch ganz doll lieb!"
Da könnte ich noch ganz viel weiter schreiben .

Zitat

Zitat von Sara im Beitrag #18
... oft erwarte ich auch zwischenmenschlich zu viel von ihm.

"Zwischenmenschlich" ist für ihn weitaus schwieriger als Mathe. Du kannst da gar nicht wenig genug erwarten.

Zitat von Sara im Beitrag #18
Ich habe noch zu wenig Verständnis für seine Wahrnehmung.

Ja, das fällt uns auch auf. Das liegt nicht unbedingt an dir. Es liegt daran, dass du bezüglich seines Verhaltens die Erwartungen der Umwelt erfüllen möchtest. Ich sehe, du arbeitest daran. Weiter so!


Das ging mir anfangs auch so und auch heute muss ich da immer mal wieder an mir arbeiten.

Zitat

Seine Wahrnehmung ... Wenn du dir seine Wahrnehmung auch nur im Ansatz verstehen kannst, dann kannst du - wann immer es möglich ist - Umweltbedingungen für ihn schaffen, die nicht zu einem Overload (Reizüberflutung) führen. Stell dir mal folgende Situation vor:

In dem Zimmer, in dem du dich aufhältst, sind alle Lichtquellen eingeschaltet, ein Strahler scheint dir ziemlich genau ins Gesicht. Im Radio läuft Musik, leider ist der Sender nicht richtig eingestellt. Im Fernseher läuft eine Talkshow. Aus der Küche duftet der Apfelkuchen im Backofen, dicht vor dir steht ein offener Topf Wick Vap-o-rub (Pinimenthol, japanisches Heilkräuteröl - hab ich was vergessen?). Du kaust gerade einen Kaugummi und schiebst ein Stück Schokolade in den Mund. Dein Pulli kratzt, eine Ameise läuft deinen Arm entlang. Der eine Fuß steckt mit einer Wollsocke in Sneakers, der andere ohne Strumpf in Peeptoe-Highheels.

Du gibst dir die allergrößte Mühe, das auszuhalten. Und du versuchst, dich so zu verhalten, wie man dir immer wieder sagt, dass du dich verhalten sollst. Und jetzt versucht jemand, von der offenen Tür aus mit dir zu sprechen, einen langen Satz nach dem anderen, und - nachdem du nicht erwartungsgemäß reagierst, läuft diese Person durchs Zimmer und reißt das Fenster auf, bei fünf Grad plus und Regen.

Hältst du das immer noch aus? Sei ehrlich!

So oder so ähnlich stürzen Wahrnehmungen auf deinen Sohn ein, den ganzen Tag, ohne Pause. Irgendwann macht er zu, irgendwann kann er nicht mehr. Wenn er sich nicht zurückziehen kann, hält er sich irgendwann die Ohren zu und brüllt (oder reagiert anders, ist bei jedem unterschiedlich). Was du als Wutanfall deutest, ist in Wirklichkeit nur ein Hilfeschrei nach weniger Reizen.



Danke Susanne!

Zitat

Zitat von Sara im Beitrag #18
... dass er diese Dinge tatsächlich einfach nicht versteht, auch wenn man sie ihm 100 Mal erklärt hat.

Bitte nicht böse sein, Sara - aber diese Vorlage muss ich nutzen .

Das denkt dein Sohn auch ... dass du seine Bedürfnisse einfach nicht verstehst, auch wenn er sie dir 100 Mal erklärt (ausgedrückt) hat.



Ihr lebt in verschiedenen Welten. Jeder muss die Welt des Anderen verstehen und akzeptieren lernen. Keiner muss aber aus seiner Welt in die andere Welt "ziehen". Gegenseitiges verstehen, Rücksichtnahme und Toleranz, dass ist der Schlüssel zum guten miteinander.

Zitat

Zitat von Sara im Beitrag #18
Wenn ich anfange etwas darüber zu erklären, dass er ADHS hat und seine Wahrnehmung anders ist als die der anderen, gucken die meisten Menschen schon unverständig und mitleidig auf mich.

Lasses. Die Menschen wollen das gar nicht verstehen. Sie hören dir nicht Sinn erfassend zu. Das ist für sie so interessant wie es für dich interessant wäre, wenn dir jemand detailgetreu beschreibt, wie letzte Woche der Sack Reis in China umgefallen ist. Sie hören dir auch dann nicht zu, wenn sie dir eine Frage gestellt haben.

Da hilft nur eins: Frage die Leute, was genau sie jetzt wissen wollen, was genau sie interessiert. Sollten sie tatsächlich eine Frage stellen, beantworte sie so kurz wie irgend möglich, in maximal drei Sätzen. Damit hast du schon weitaus mehr erreicht als mit jeder Erklärung, was denn eine ADHS ist und wie sie sich anfühlt.

Zitat von Sara im Beitrag #18
... als er das Kind im Wutanfall gepackt und zum Auto getragen hat...

Mal abgesehen davon, dass er weitergebrüllt hat, weil er unerwartet angefasst wurde ... dein Mann hat doch damit genau das getan, was das Publikum eingefordert hat: dem Kind zeigen, wer sich wem unterzuordnen hat. Wie lange wären denn die Zuschauer auf Papas Seite gewesen, wenn er Sohni im Laden hätte brüllen lassen?

Zitat von Sara im Beitrag #18
... weil ich eben einfach noch nicht so weit bin wie Ihr, mir die Erfahrung und viel Kompetenz fehlt.

Erfahrung fliegt einen nicht an, das ist harte Arbeit, jahrelange Versuche, das Richtige zu tun; jahrelanges Lesen von Fachliteratur, jahrelange Teilnahme an Informations- und Fortbildungs-Veranstaltungen. Einige von uns sind seit so um die zwanzig Jahren im Thema; andere noch nicht so lange, dafür stecken sie gerade mittendrin im aktuellen Erleben.


Wenn du Interesse an einem Autismus Kongress in Wuppertal im November hast, gebe ich dir gerne Informationen.

Zitat

Zitat von Sara im Beitrag #18
.. mit einer anderen Mutter, die unser Kinderarzt mir empfohlen hat, eine Selbsthilfegruppe zu gründen ...

Ja, mach das. Eine Selbsthilfegruppe, auch wenn du sie zunächst nur mit dieser einen anderen Mama ins Leben rufst, wird dich persönlich unwahrscheinlich viel weiterbringen. Zur Gründung von Selbsthilfegruppen gibt es viele Informationen, aber das würde hier den Rahmen sprengen.


Wir haben im Januar ein Elterncafe Autismus ins Leben gerufen. Im Moment sind wir zu 7. Aber wir konnten uns gegenseitig schon gut helfen. Und wir waren erstaunt, wieviel Interesse da war. Auch wenn viele noch nicht da waren.

Zitat

Zitat von Sara im Beitrag #18
Es werden sicherlich noch einige Fragen kommen, mit denen ich Euch dann belästigen werde

Siehe oben - dafür sind wir da.




Dann immer her mit den Fragen .

Liebe Grüße
Andrea

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