erschöpft und ratlos

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28.01.2016 00:24 (zuletzt bearbeitet: 28.01.2016 12:43)
avatar  kriss
#1
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Hallo, ich bin Mama eines 7jährigen Jungen, der mich und den Rest der Familie an den Rand des Wahnsinns treiben kann. Langsam geht uns die Puste aus......
Er ist unser Jüngster in der Runde, seine Geschwister sind 12 und 18. Die beiden großen laufen "in der Spur".
Der Kleinste ist schon im Kindergartenalter aufgefallen, irgendwie ist er dort immer wieder in Schwierigkeiten geraten, hat sich mitreißen lassen und Blödsinn angestellt. Das alleine wäre noch ok gewesen, "Junge eben".

Nur ist er regelmäßig Zuhause ausgeflippt. Es ging so weit, dass er wegen jeder Kleinigkeit aggressiv wurde. Da er ganztags im Kindergarten war, dachten wir, es liegt daran. Der Lärm, die vielen Kinder, Freunde, die ihm immer wieder zu verstehen gaben, wie "falsch" er alles macht......Deshalb stellten wir so einiges bei uns um. Es wurde besser. Die Wut und sein Frust über meist Belangloses kam zwar immer wieder mal hoch, aber wir konnten ihn gut händeln.

Dann kam die Schule! Und schon am ersten Schultag zeigte er uns, dass er so absolut überhaupt nicht einsieht, warum er Hausaufgaben zu machen hat. Sein Widerstand gegen die Hausaufgaben hat er heute noch immer, wir haben alles versucht und versuchen es immer noch ......meist endet es im Desaster . Er ist nur am schreien, weinen, toben und ausflippen. Halten wir streng dagegen , wird es schlimmer. Er ist soooooo unglücklich. Meist sind es also die Hausaufgaben die uns Probleme bereiten aber auch anderes, Kleinigkeiten bringen ihn auf die Palme. Schimpfe ich mit ihm, kommt es schon mal vor, dass er mich tritt und auch mal drohend die Hand hebt.

Unser Alltag ist gut durchgeplant, denn ungeregelt und spontan geht fast gar nichts, alles wird um ihn herumgebacken. Immer im Hinterkopf, "wird das gut gehen?" Und bloß keine Langeweile aufkommen lassen, dieser kleine Kerl weiß absolut nichts mit sich anzufangen und das geht auch nach hinten los. Zusätzlich zu diesem HB-Männchen Syndrom kommt, dass er absolut nicht einschlafen kann, auch hier haben wir schon alles versucht, mit Licht ohne Licht, mit Kassette geht gar nicht, die muss zu Ende gehört werden, also lieber wieder ohne. Mit Mama, ohne Mama, mit Musik ohne Musik .....er schafft es oft nicht vor zehn einzuschlafen. Er quält sich in den Schlaf.

In der Schule ist er ein lieber Kerl. So sehen es auch die Lehrer / Betreuer, nur dass er im Unterricht leider unkonzentriert ist und oft alles mögliche vergisst.

Jetzt sind wir so ziemlich am Ende mit unserem Latein und haben uns an den Kinderarzt gewandt. Der hat uns zu einem psychiatrischem Zentrum geschickt und nun wird getestet. Wir haben noch kein Ergebnis.
Ich bin am Ende, mein Fell ist so dünn, da ist kaum noch ein Haar dran und das bekommen die anderen zu spüren. Das macht alles nicht besser. Ich weiß auch nicht mehr was richtig und was falsch ist.

Konsequenzen ohne zu bestrafen. Das habe ich mir zu Herzen genommen, nur wie lässt sich das durchsetzen?
Ist nicht fast jede Konsequenz auch fast schon eine Strafe? Wenn er mich tritt oder droht zu schlagen, hört bei mir echt der "Spaß" auf, da gibt es schon mal eine Woche Fernsehverbot! Seltsamerweise wird das später akzeptiert, wenn HB-Männchen wieder unten ist.
Wenn er sich nur nicht immer so quälen würde......und dann kommt diese Wut und Aggression.....wie soll das weitergehen?

Ich habe eigentlich keine konkreten Fragen......ich weiß ja, dass ich die Tests abwarten muss....und vorher kann ich nur versuchen den Kleinen irgendwie durch die nächste Attacke durchzubekommen. Nur ist es zur Zeit wieder sehr anstregend und das wollte ich nur mal loswerden.

Kann es sein, dass er ads hat? Vielleicht liege ich ja falsch, der Arzt sagte was von "kommt nicht aus der Trotzphase, evtl. auch adhs angehaucht, werden die Tests zeigen" oder so ähnlich, ist wie im Nebel dieses Gespräch.Aber das macht es auch nicht besser, dann liegt es wohl doch an unserer Erziehung? Aber eigentlich haben wir doch nichts anders gemacht, so wie wir es auch bei den Großen gemacht haben. Klar haben wir unsere Kinder auch verwöhnt aber den Großen hat es nicht "geschadet".
Ich bin ratlos .....


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28.01.2016 07:14 (zuletzt bearbeitet: 28.01.2016 07:19)
avatar  Laura S
#2
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Hallo kriss
herzlich willkommen!


Zitat
Ich habe eigentlich keine konkreten Fragen......ich weiß ja, dass ich die Tests abwarten muss....und vorher kann ich nur versuchen den Kleinen irgendwie durch die nächste Attacke durchzubekommen. Nur ist es zur Zeit wieder sehr anstregend und das wollte ich nur mal loswerden. Kann es sein, dass er ads hat?



Der Verdacht auf eine Aufmerksamkeitsstörung ist ja laut Deinen Erzählungen der Grund, warum er nun getestet wird. Da weist ja auch schon Einiges darauf hin. Wann habt Ihr denn dort Termin? Wir können hier alle gut nachempfinden, wie der Alltag mit einem ADHS-kind bzw Verdacht-auf ADHS-kind aussieht.

Schnelle Ergebnisse und "Lösungen" Fehlanzeige, da muss man einen langen Atem haben, das gilt vor allem auch für die Schule und den Umgang mit Lehrern. Sei froh, dass sie ihn noch als "lieben Kerl" sehen und nicht nur noch als ewige Nervensäge.

Zitat
Vielleicht liege ich ja falsch, der Arzt sagte was von "kommt nicht aus der Trotzphase, evtl. auch adhs angehaucht, werden die Tests zeigen" oder so ähnlich, ist wie im Nebel dieses Gespräch.Aber das macht es auch nicht besser, dann liegt es wohl doch an unserer Erziehung?



Wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann und auch schon von vielen gelesen und gehört habe, ist unser eigenes Empfinden oftmals wirklich das Ausschlaggebende, denn wir als Eltern können unsere Kinder am besten beurteilen! Bei manchen Kindern wird eine klare Diagnose auch erst nach mehreren Testungen gestellt, wenn es dem Arzt in Teilbereichen nicht eindeutig genug ist obwohl soviel darauf hinweist, das meinte ich ua mit langem Atem haben müssen. Das ist kräftezehrend und kann einen ganz schön fertig machen. Denn meistens wissen wir als Eltern ziemlich genau, was Sache ist oder haben zumindest starke Vermutungen und wir wissen, dass "etwas nicht stimmt"

Der erste Schritt ist getan! Ihr habt Euch mit den Verhaltensproblemen an den Kinderarzt gewandt und dieser hat Euch weiterüberwiesen und nun wird eine Diagnostik durchgeführt. Wenn Ihr das Ergebnis habt, dann wird weitergesehen, der Arzt wird Euch dann hoffentlich gut beraten, wie es dann weitergeht, wie die Therapie aussieht usw. Und für Deine Fragen sind hier viele liebe ADHS- Mamas und -experten unterwegs, die mir auch schon sooft geholfen haben!!!

Alles Gute und berichte mal, wie die Tests dann ausgefallen sind!

Grüße Laura


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28.01.2016 13:41 (zuletzt bearbeitet: 28.01.2016 13:47)
avatar  smilla
#3
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Hallo kriss,

erstmal ein herzliches Willkommen in unserem Forum! Schön, dass Du zu uns gefunden hast auch ohne konkrete Fragen
Als ich vor ein paar Jahren hier herein gestolpert bin, ging es uns nicht gut und etwas hat von Anfang an sehr gut getan:

Sich mal alles von der Seele schreiben, auskotzen und Dampf ablassen!

ADHS oder nicht, das vermag ich nicht zu sagen! Das wird sich ja erst nach Testungen rausstellen. Natürlich gibt es vieles, von dem Du erzählst, was sich sehr danach anhört! Aber mit oder ohne Diagnose, ist es Fakt dass Ihr auf dem Zahnfleisch geht und alles unentspannt läuft! Vielen von uns geht oder ging es hier schon so wie Dir und jeder glaubt Dir eines ganz gewiss: Es ist verdammt anstrengend!!

Jeden Tag, oder auch mehrmals am Tag auf Reset zu gehen, damit nichts eskaliert, Gefühle nicht zu hochkochen, Strategien ausprobiert werden und auch wieder verworfen werden, das zerrt an den Nerven!

Zitat
Er ist soooooo unglücklich.


Ein so trauriger Satz, wenn man bedenkt dass er ein siebenjähriger Junge ist! Allerdings zeigt er auch dass Du merkst und fühlst dass er es ist und das so wichtig! Denn Du kannst bei allem Frust auch noch dahinter schauen und siehst wie unglücklich er ist!
Das Problem bei verhaltensauffälligen Kindern ist ja dass sie in diese Spirale geraten, die sie sowas von schnell nach unten zieht dass es sehr schwer wird, von selber wieder aufzutauchen!

Letztendlich kapitulieren sie irgendwann weil es eh egal ist, sie können es gefühlt sowieso keinem Recht machen!

Zitat
Dann kam die Schule!



Oh ja! Der Ort, an dem Kinder so schnell wie möglich so gut wie möglich funktionieren müssen!! Alleine dass ist für so ein verhaltensoriginellen Kerl eine echte Herausforderung!!
Aber Du schreibst, dass er in der Schule ein lieber Kerl ist und die Lehrer das genauso sehen!
Damit hast Du schon riesen Glück, so doof sich das anhört! Wir hatten immer eher "Draussen-ADHS" und zu Hause war unser Sohn gut zu händeln. Oftmals habe ich mir das andersherum gewünscht, denn sowas schiesst einen Menschen schnell ins soziale Aus!

Hausaufgaben ist ein Riesenthema, da wirst Du hier viel drüber lesen können! Ich selber habe nur einen Tipp, nach vier Jahren Grundschulhausaufgabenkampf: Bleib dran und gib`nicht auf! Du bist da wichtig ihm zu zeigen dass er trotzdem was kann, auch wenn es total daneben geht! Wieviele Kämpfe sind bei uns ausgefochten in dicken Tränen auf dem Fussboden geendet? Hunderte?

Aber es wurde besser und ich glaube Du kannst ihm sehr helfen wenn Du einfach trotzdem da bist und ihn motivierst!
Auch wenn Du ihn gefühlt am liebsten nach Haiti beamen würdest!

Wichtig und das finde ich wirklich ist, dass Du Dir für Deine Seele Hilfe holst! Habt Ihr eine Erziehungsberatungsstelle in der Nähe? Ich sage dass überhaupt nicht weil ich denke es liegt an Deiner Erziehung! Und gerade das werden sie Dir da auch sagen! Oftmals ist es gut wenn jemand von aussen sich die Geschichte ansieht und Dir hier und da objektiv Tipps geben kann! Und da darfst Du auch alles, es ist ein geschützter Raum!

Deine Erziehung ist nicht das Problem, obwohl man natürlich auch mal auf sie schauen muss. Aber eben nur Du, denn Ihr müsst ja zwangsläufig Dinge verändern, umstellen oder verwerfen um diese Situation etwas smoother zu bekommen. Von aussen lässt es sich sehr leicht sagen, dass die Erziehung hakt! Und das machen die Leute auch sehr gerne und auch ohne Aufforderung! Davon darfst Du Dich nicht aus der Fassung bringen lassen. Schließlich würde dieses Forum ja sonst nicht "ADHS"-Forum heissen sondern vielleicht "Forum für Menschen mit erziehungsunfähigen Tendenzen"?!?

Nur das einwöchige Fernsehverbot, das würde ich überdenken! Dein Kleiner kann diese große Spanne gar nicht überblicken! Und irgendwann darf er nicht mehr gucken bis er 23 ist, weil sich die Wochen so anhäufen...Also lieber überschaubare Zeiträume
nehmen!

Kannst Du mit Deinem Mann da gut drüber reden? Haltet zusammen und baut Euch gegenseitig auf! Macht Dinge um Eure Reserven aufzutanken! Wenn Du die Möglichkeit hast, lass`Dir von anderen helfen um Dir Freiräume zu schaffen!
Und als erstes finde ich die gute alte Badewanne, ein Glas Wein und eine Duftkerze immer einen guten Anfang!

Lass`den Kopf nicht hängen und wieder von Dir hören! Du wirst hier von einigen Tipps bekommen, die es richtig drauf haben!
Bis dann, smilla


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28.01.2016 19:27
avatar  FaVe
#4
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Zitat
Schließlich würde dieses Forum ja sonst nicht "ADHS"-Forum heissen sondern vielleicht "Forum für Menschen mit erziehungsunfähigen Tendenzen"?!?

.. oder Forum für erziehungresistente Menschen!!

Nein, es liegt nicht an der Erziehung: eine ADHS ist ein neurologisches Problem, oftmals erblich.

Du kannst einem Kind mit ADHS durch verlässliche Strukturen und klare Ansagen und Absprachen helfen klarzukommen. Vernachlässigung und schlechte Familienstrukturen können Symptome verstärken.
Aber allein schon eure geduldigen Versuche rauszufinden, wie Eurer Sohn am besten einschläft zeigt ja schon, dass Ihr euch bemüht, ein Umfeld zu schaffen, das ihm hilft.

Schule und Hausaufgaben sind da leider immer ein Sonderproblem, da wir auf die Person des Lehrers, seine Ansichten und Handlungen eben nur wenig bis gar keinen Einfluss haben!

Willkommen hier im Forum!

Grüße FaVe

Lächle und gehe weiter ..... Du kannst sie nicht alle umbringen!!!!!!

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28.01.2016 23:35
avatar  lupa
#5
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Hallo Kriss,

auch von mir herzlich Willkommen im Forum!

Zu allererst mal was Formales: lange Texte sind überhaupt kein Problem ... aber bitte mach immer mal wieder Absätze zwischendurch. Besser mehr, als weniger. Der Text lässt sich dann einfach besser lesen. Danke!
Irgendein lieber Mod hat da in Deinem Posting schon ein bißchen nachgebessert ... auch dafür danke!

Nun aber zu Deinem Beitrag:

Zitat
Ich habe eigentlich keine konkreten Fragen. ... Nur ist es zur Zeit wieder sehr anstregend und das wollte ich nur mal loswerden.


Auch dafür sind wir da! Manchmal ist es einfach kaum auszuhalten. Dann tut es gut, wenn Leute einfach "mittragen", anstatt "Rat - Schläge" *autsch!* zu erteilen. Hier brauchst Du Dich weder zu rechtfertigen noch zu erklären ... jeder versteht, weil wir es selber kennen.

Zitat
Kann es sein, dass er ads hat? Vielleicht liege ich ja falsch, der Arzt sagte was von "kommt nicht aus der Trotzphase, evtl. auch adhs angehaucht, werden die Tests zeigen" oder so ähnlich, ist wie im Nebel dieses Gespräch.


Ja, es KANN, möglicherweise ... aber Genaues wird erst eine fachgerechte Diagnostik ergeben, das hast Du ja selber schon geschrieben. Ihr habt die Sache in Angriff genommen. Das ist gut, das ist der erste Schritt.
Auf die Äußerung des Kinderarztes würde ich in diesem Fall nicht allzuviel geben. Mir hat mein Kinderarzt damals auch gesagt: "... und wenn er lieber vom Schrank springt, anstatt ein Puzzle zu machen, dann ist er halt ein richtiger Junge." Solche Aussagen sind alles andere als hilfreich und verunsichern uns Mütter nur noch mehr. Immerhin hat euch der Kinderarzt an eine kompetente Stelle weiterverwiesen. Vertraue auf Dein Bauchgefühl und auf die Fachleute dort. Nicht jeder Kinderarzt ist immer auch ein ADHS - Experte, ... leider ...

Zitat
Ich bin am Ende, mein Fell ist so dünn, da ist kaum noch ein Haar dran


Hast Du schon unseren ADHS - Werkzeugkoffer entdeckt? Schau mal hier: ADHS-Werkzeugkoffer (5)
Da findest Du vielleicht nützliches Handwerkszeug, wenn gar nichts mehr geht.

Zitat
Sein Widerstand gegen die Hausaufgaben hat er heute noch immer, wir haben alles versucht und versuchen es immer noch ......meist endet es im Desaster . Er ist nur am schreien, weinen, toben und ausflippen.


Oh ja! Die Hausaufgaben, das Reizthema Nr.1 ... da kann hier jeder ein Lied davon singen! Auch wir haben tägliche Kämpfe ausgefochten, die häufig an Hausfriedensbruch grenzten. Mama und Kind in Tränen aufgelöst und verzweifelt ... stundenlange Dramen am Eßtisch ...
Dazu kann ich heute nur sagen: stundenlange Quälereien bringen gar nichts. Wenn nix mehr geht, brich das Ganze ab. Dazu eine kurze Notiz an die Klassenlehrerin. Oder triff mit ihr eine Vereinbarung, dass Sohn nur die Hälfte machen muss bzw. Du ihm die Aufgaben, je nach Tagesform, einteilst.
Lies mal im "Werkzeugkoffer" den Beitrag #16. Da findest Du einige Tips zur HA - Situation (wobei ich mir eigentlich sicher bin, dass Du das meiste sowieso schon so handhabst).
Ansonsten kann ich nur mit drei Ausrufezeichen bestätigen, was Smilla schon geschrieben hat:

Zitat von smilla
Bleib dran und gib`nicht auf! Du bist da wichtig ihm zu zeigen dass er trotzdem was kann, auch wenn es total daneben geht!


Es ist super anstrengend, nervenzehrend und zeitraubend ... aber es lohnt sich. Es wird besser ... irgendwann ... mit langem Atem. Selbstläufer werden unsere Kinder in Sachen Schule vielleicht nie. Die meisten brauchen die Mama auf dem Stuhl daneben noch viele Jahre. Aber auch sie können sich Arbeitsverhalten und Lernstrategien angewöhnen und einschleifen. Und irgendwann klappt es dann Schritt für Schritt besser.
Du schreibst, Sohn ist 7 Jahre alt. Geht er dann in Klasse 2? Wie steht er denn leistungsmäßig da? Läuft er gut mit oder hat er Probleme? Bei meinen Kindern stand (und steht) in Sachen Schule immer das Leistungsproblem im Vordergrund. Meckern über schlechte Noten habe ich mir ganz schnell abgewöhnt. Statt dessen lautet die Devise: "Ich möchte, dass ihr (mit mir) lernt und euch anstrengt ... dann akzeptiere ich anschließend jede Note". Das nimmt den Kindern die Angst und erhält die Anstrengungsbereitschaft.


Wünsche Euch, dass ihr möglichst bald eine eindeutige Diagnose bekommt!
Bis dahin weiterhin viel Kraft! Gib nicht auf!

Liebe Grüße
lupa

Earth is flat, pigs can fly and ADHD doesn't exist..

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29.01.2016 00:24
avatar  kriss
#6
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Hallo,
herzlichen Dank für eure lieben Antworten. Es war gestern wirklich ein harter Tag und ich war echt am Ende, es hat schon sehr geholfen, dass ich das ein oder andere loswerden konnte, "auskotzen" trifft es wohl eher ;-)

Da ich leider noch nicht so genau weiß, wie ich ein Zitat hineinbekomme, fällt es mir schwer, alle Fragen zu behalten und darauf zu antworten. Ich versuche es mal:

Unser Elterngespräch, hoffentlich mit einer Diagnose, wird Ende Februar stattfinden. Und ich denke eigentlich auch, dass mich mein Instinkt, dass etwas nicht stimmt, nicht trügt, ich glaube eigentlich nicht, dass wir ihn verzogen haben.

Eine Erziehungsberatungsstelle? danach habe ich noch nicht geschaut. Ich glaube das wären jetzt aber zu viele Baustellen, auch für mich, das schaffe ich gerade nicht. Bin froh, dass wir jetzt diesen Weg eingeschlagen haben und das zehrt auch ganz schön an meinen Nerven. Noch eine andere Beratungsstelle und alles noch einmal von vorne erklären, wäre mir gerade etwas zu viel. Vielleicht rät man uns ja, es dort auch noch auzuprobieren, dann wird das der nächste Schritt sein, gerade kann ich nur "step by step". Mal sehen, was die Diagnose bringt und vor allem, welche Hilfen uns angeboten oder nahegelegt werden.

Mit meinen Mann kann ich schon gut reden aber eine Auszeit ist für uns kaum noch drin. Wir ziehen am selben Strang, natürlich auch hin und wieder mal in verschiedene Richtungen aber das merken wir dann ganz schnell und dann wird sich neu positioniert ;-) Es ist nur manchmal alles so anstrengend und die Nerven liegen wie gesagt unter einem sehr dünnen Fell.

Also der Kleine geht in die zweite Klasse. Zum Glück gibt es noch keine Noten, diesen Druck hat er nicht auch noch. Ich denke er liegt im Durchschnitt, mal sehen was die Lehrerin sagt, im Februar sind die "Elterngespräche". Er hat aber schon mal 11 Fehler in einem Diktat gehabt, dafür hat er sich in einem Mathetest ganz gut geschlagen. Das Probelm liegt hauptsächlich in seiner Unkonzentriertheit, das hat seine Klassenlehrerin auch öfter uns gegenüber schon erwähnt, aber sie weiß darum und ich glaube, sie bemüht sich schon, ihn mitzuziehen, sprich ihn immer wieder anzusprechen. In der Schule geht es also einigermaßen, das Hauptprobelm wird erst bei uns zu Hause ausgepackt.

Wie gesagt, er kommt manchmal in so ein Fahrwasser rein, da lässt er sich nur sehr schwer wieder rausholen. Und er quält sich dann so dermaßen. Das kostet unglaublich viel Kraft und zehrt an dem kleinen Kerl. Und dann dieses Einschlafproblem....
das kann nicht gut gehen. Wir hangeln uns von Wochenende zu Wochenende, da kann er wenigstens länger schlafen, was für das Einschlafproblem aber leider kontraproduktiv ist.

Manchmal ist mir schon nach aufgeben, mach ich nicht, nein, ich denke auch nur kurz darüber nach, ob ich nicht doch mal rasch Zigaretten holen gehe (ne, hab aufgehört). Am Wochenende werde ich es mal mit dem Bad und einem Glas Wein probieren ach so und den Werkzeugkoffer schaue ich mir morgen an. Ist spät geworden

Vielen lieben Dank noch mal und diesmal habe ich meinen Text nicht gekürzt und hoffentlich ausreichend Absätze hinzugefügt ;-)

lg Kriss


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29.01.2016 16:50
avatar  AndreaA
#7
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Hallo kriss und herzlich Willkommen hier im Forum.

Du fragst ob Konsequenzen nicht auch Strafen sind. Für mich ist Konsequenz etwas was aus meinem Verhalten resultiert. Z. B. wenn Zwerg Nase sein Sportzeug vergisst ist die Konsequenz dass er beim Sport nicht mitmachen darf. Oder wenn Großsohn und Zwerg Nase den Fernseher nicht ausstellen ist die Konsequenz, dass die Fernsehzeit vom nächsten Tag verkürzt wird um die Zeit die heute länger geguckt wurde. Eine Strafe ist für mich wenn es mit der eigentlichen Situation nichts zu tun hat. Z. B. Großsohn und Zwergi streiten sich, schmeißen die Türen und werfen mit Lego und ich erteile Fernsehverbot. Das ist für mich eine Strafe.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft und ein neues Nervenkostüm. Ich setze mich abends nach solchen Tagen gerne mit einem Glas Wein, einem Kakao oder einem Tee und einem guten Buch und einer kuscheligen Decke aufs Sofa und genieße die Ruhe. Die Idee mit der Wanne ist auch gut. Zum runterkommen höre ich auch gerne "Die Moldau" von Smetana. Gerne auch beim Autofahren nach einem anstrengenden Morgen. Dabei kann ich gut entspannen.
L. G. Andrea


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29.01.2016 21:57
#8
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Hallo kriss,

auch von mir ein herzliches Willkommen! Lass uns erst mal die technischen Probleme lösen, die sind am einfachsten

Zitat von kriss im Beitrag #6
Da ich leider noch nicht so genau weiß, wie ich ein Zitat hineinbekomme, fällt es mir schwer, alle Fragen zu behalten und darauf zu antworten. Ich versuche es mal:

Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Am einfachsten ist die mit der Sprechblase in der Icon-Leiste (sechstes Icon von links). Markiere den Text, den du zitieren willst, und kopiere ihn (Strg + c). Klicke dann einfach die Sprechblase an und füge den Text dort ein (Strg + v), wo der Cursor steht.

Zitat von kriss im Beitrag #6
Und dann dieses Einschlafproblem....

Oooh jaaaaa! Da sagst du was! Ich erinnere mich mit Grauen daran. Um acht ging es in die Heia und wenn es gut lief, war um elf dann Ruhe im Karton. Jetzt ist die Kleine erwachsen; neulich hat sie ihrem Papa erklärt, wie das ist, wenn man nicht schlafen kann: "Da sind immer die Gedanken im Kopf und die geben keine Ruhe, du wirst sie nicht los. Und du denkst immer wieder im Kreis herum. Doch er hört einfach nicht auf zu denken, der Kopf ..."

Du bekommst sicher viele gut gemeinte Ratschläge zum Einschlafproblem. Glaub mir bitte eins: Es ist völlig wurscht, wie müde oder wann Zwergi morgens aufgestanden ist - ob man einschläft oder nicht bestimmen die Gedanken, die keine oder wenn schon, dann recht spät Ruhe geben.

Hinzu kommt, dass bei Menschen mit ADHS die Melatonin-Ausschüttung später stattfindet, bei Kindern etwa eine gute Stunde später als bei neurotypischen Kindern. Melatonin steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus des Körpers.

Soviel zum Thema Schlaf ...
... von Susanne

I am who I am. Your approval is not needed.

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05.02.2016 00:06
#9
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Hallo Kriss,

auch von mir ein herzliches Willkommen. Auch ich kann Dich und Deine Erzählungen, Ängste, stillen Vorwürfe an sich selbst, Frustration, Erschöpfung und und und wie meine Vorrednerinnen sehr gut nachvollziehen. Ich bin übrigens ein schreibender Vater, wohl eher eine seltenere Spezies im Forum.

Ich schreibe seit der Diagnose Anfang 2015 in zwei Threads in Form eines Tagebuches alle wichtigen Ereignisse hier im Forum und ich kann so meine eigenen Erfahrungen besser verarbeiten und vielleicht anderen Lesern meine eigenen Erkenntnisse aus dem Leben mit einem ADHS Kind weitergeben.

Mein Sohn ist mittlerweile schon 12 Jahre und ist eigentlich schon seit Geburt nicht so ganz pflegeleicht, um es einmal vorsichtig auszudrücken.
Aber erst seit letztem Jahr haben wir eine Diagnose, die vorhergehenden Untersuchungen hatten in dieser Richtung keine Ergebnisse gezeigt, es waren aber auch keine fundierten Tests durchgeführt worden. Ärzte helfen eben nicht immer sofort.

Deswegen ist es super, dass ihr jetzt einen fundierten Test durchführen habt lassen. Lasst Euch alles genau erklären, stellt Fragen über Fragen und wenn das Thema Medikamente aufkommt, hört es Euch an, lest hier im Forum die Threads durch und lasst Euch bloss nicht abschrecken von dem Thema.
Für unseren Sohn war es genau das richtige.
Und fragt nach der Sinnhaftigkeit einer begleitenden Lern, Gesprächs, Verhaltenstherapie. Flankierend eine super Sache. Vielleicht bei einem 7 jährigen zu früh, aber man sollte es beleuchten.

Zum Abschluss vielleicht noch ein Wort zu Konsequenzen.
Ich glaube eher man sollte es so beschreiben. Man muss konsequent in seinem Handeln als Eltern sein, immer gemeinsam eine Sprache sprechen. Somit gibt man dem Kind eine sichere Grundlage im Familienleben. Mein Sohn brauchte diese festen Leitplanken rechts und links, es brachte ihm Sicherheit. Hört sich komisch an, weil man ihn schon auch etwas in gewissen Dingen beschneidet in seinem Handelsdrang. Aber das hat gewirkt. Und zu guter Letzt. Aus meiner Erfahrung hängt der Sohn an einem Elternteil noch extremer als normale Kinder. Und dieses Elternteil ist noch mehr ein Spiegel seiner selbst als im Normalfall. Bedeutet: Ist meine Frau laut, oder aggressiver oder genervt in Ihrem Handeln, schaukelt es sich noch mehr auf als bei "gesunden" Kindern. Der Sohn ist schneller auf Zinne oder wie Du sagst als HB Männchen unterwegs.

Das Gute zum Schluss.
Man schafft das zusammen als Familie, es kommen bessere Zeiten, der Sohn entwickelt sich, und alles wird gut werden.

Beste Grüße
Das Schweigen


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16.02.2016 22:57
avatar  kriss
#10
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Hallo,

endlich komme ich dazu, mich mal wieder zu melden. Mir fehlt einfach immer wieder die Zeit und manchmal auch die Kraft. Ich habe es aber geschafft, mir die Beiträge zum Werkzeugkoffer anzusehen. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Vieles kam mir so bekannt und vertraut vor, unglaublich.

Ich denke wir sind auf dem richtigen Weg, aber ehrlich, das kostet so unendlich viel Kraft. Wir haben fast jeden Tag diesen Kampf. Wir versuchen wirklich alles zu berücksichtigen was geht und trotzdem läuft manchmal alles so schief. Es ist so anstrengend und ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es einfacher/leichter wird.

Wir haben unser Abschlussgespräch beim Psychologischen Zentrum noch nicht gehabt.
Die "Testreihe" mit dem Kleinen ist aber vorerst durch, was da genau gelaufen ist weiß ich auch nicht, werden wir bei diesem Gespräch genauer erfahren.

Dieser Gesprächstag ist wie ein Rettungsanker für mich, bis dahin erst einmal durchhalten. Ich weiß, danach wird sich wohl nicht viel ändern, aber dann kommt der nächste Schritt, der mich wieder über Wasser halten wird.

Ich denke wir werden als Eltern einfach weiterhin viel Kraft investieren, damit der Kleine seinen Weg irgendwie gehen wird.

Danke noch mal für eure lieben Antworten und sorry, dass ich nicht zu jedem Beitrag etwas schreibe, das schaffe ich gerade nicht.

Ich berichte euch gerne näheres, sobald wir dieses Gespräch bei dem Psy.Zentrum hatten.

viele Grüße
Kriss


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