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ADHS-Selbsthilfe an 365 Tagen im Jahr

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  • Liebes Smillachen, Zitat Ich könnte ja noch soviel erzählen,..... Au ja, bitte!!! Zitat ...würde Euch aber sicher irgendwann langweilen. Niemals! Ich schwör Dir! Ich könnte jetzt sooooo viel zitieren - lange Rede kurzer Sinn: Ich liebe Dich! ... vier Teenagerachseln.... Muhahaha!!!
    von Zottel in Vier Tage Urlaub + 2 ADHS-Teen...
  • Einfach herrlich Smilla ! Du hast so ein Talent, die Dinge zu beschreiben! Man kann es sich richtig bildlich vorstellen, erst recht, wenn man selber sein Teenager Exemplar zuhause hat LG Laura
    von Laura S in Vier Tage Urlaub + 2 ADHS-Teen...
  • Aber natürlich haben wir ihn gefragt. Die zwei kennen sich gut und machen einiges zusammen. Aber anscheinend ganz andere Sachen als campen😊😊
    von smilla in Vier Tage Urlaub + 2 ADHS-Teen...
  • Smillachen , wieder mal hast du viel gelernt ! Ich vermute mal, dir geht es jetzt so wie meinen Töchtern. Immer mal wieder bekomme ich ein "Ach Mama, hätt ich doch auf dich gehört!" zu hören . Du erinnerst dich sicher, mein Vorschlag war "Papa, Mama, Labrador". Lassen wir das - hinterher ist man immer klüger ... Sag mal, Sohni ... hast du ihn nicht gefragt, ob er Uwe mitnehmen will? Kennt er...
    von SusanneG in Vier Tage Urlaub + 2 ADHS-Teen...
  • You made my day! Obwohl ich mich köstlich amüsiert habe, hat mich beim Lesen das leise Gefühl beschlichen, du hast von meinen letzten 4 Jahren geschrieben. Ich habe mich noch nicht vorgestellt (kommt sicher noch in den nächsten Tagen, wenn ich etwas Zeit habe) und ich musste sehr an meine Söhne (16 Jahre mit Autismus und ADHS und 17 Jahre mit ADS) denken. Ich hoffe, du erholst dich jetzt gut vo...
    von Sheherazade in Vier Tage Urlaub + 2 ADHS-Teen...

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Vier Tage Urlaub + 2 ADHS-Teenies= klappt nicht so gut, weiss ich jetzt auch, danke! oder: ist 14 jetzt eigentlich das neue 74??
von smilla In der Kategorie ADHS in den Medien am 29.07.2019 um 00:43 Uhr

Ihr Lieben!

Sommerferien! Nach einem langen Schuljahr endlich mal Entspannung! Vier Tage Urlaub an der Ostsee! Das war unser Plan, der meines Mannes und mir! Nur vier Tage leider, da berufliche Umorientierung und private Sachen es uns in diesem Jahr chaotischer gemacht haben, natürlich wie immer nur geringfügig!

Nun kann/soll ja der Teenager noch nicht alleine zu Hause bleiben wenn wir wollen dass das Haus danach noch steht. Es war also ein kluger Plan von Nöten um ihm das Gefühl zu suggerieren, er würde sich aus freien Stücken auf einen absolut WLAN-geschützten Campingplatz begeben, zusammen mit seinen unterirdischen Eltern, dem nervenden Bruder und der Labradoroma! Und das ganze vier Tage!

Nach gar nicht so langem Überlegen war schnell ein Plan gefasst, wir würden uns die Sache total einfach machen und einen Kumpel mitnehmen. Einfach so, total spontan und absolut unkompliziert, wie wir ADHS-ler nun mal so sind, Ihr kennt das ja...

Besagter Kumpel war schnell auserkoren, nennen wir ihn mal Uwe. Und Uwe hatte Zeit und Bock, mitzufahren!

Kurzer Steckbrief: UWE, so alt wie Sohni, also Teenie und auch eine ADHS! Wuppen wir, wir haben schon anderes
gestemmt!
Klar, zugegeben, wenige "Komisches Gefühl"- Gedanken hatte ich im Vorfeld schon: Wir campen ja immerhin und das alleine birgt ja in so enger Umgebung schon immer genug Potential um mal gepflegt auszuflippen! Auch nur mit einem Teenie...
Aber wir waren geduldig und haben uns vorbereitet:

Ja, ihr Jungs schlaft wirklich im Zelt!
und
Nein, wenn du nicht schlafen kannst ist es keine Option dass Uwe und du zusammen mit Bruder und Hund in unserem Bett im Wohnwagen schlaft und wir im Zelt
und
es gibt dort eben kein WLAN, aber ihr seid zwei Jungs, ihr könnt euch toll dort beschäftigen denn man kann tauchen und Volleyball spielen und Tischtennis und.....

Mein Mann beschloss dann doch schon vier Tage eher loszufahren um mit dem kleinen Sohn einfach etwas längere Zeit Urlaub zu genießen. Und ich war in froher Erwartung, das Gleiche dann auch mit zwei Teenies und der Labradoroma etwas später zu tun! Also ab in den Urlaub!

Schon das Abholen von Uwe versetze mich in eine Art Sprachlosigkeit: eine übergroße Reisetasche,
zwei Isomatten fürs bequeme Feeling, Schlafsack und komplettes Bettzeug erschienen mir recht übertrieben für
diesen kleinen 4-Tage-Trip!
Fast war ich versucht ihn Bibi zu nennen, hatte ich doch den Eindruck, in seinem Gepäck befindet sich die gesamte Ausrüstung für ein neues "Beauty-Palace-You tube-Video", inklusive Scheinwerfer und Regisseur! Aber cool und gelassen wie ich nun mal bin, verstaute ich schweigend alles in meinem nun irgendwie doch zu kleinen Auto...Uwe war schon längst eingestiegen, ganz aufmerksamer Teenie eben!
Bei meinem Einsteigen musste ich dann feststellen dass mein Auto in der kurzen Zeit schon wie eine Computerkommandozentrale verkabelt war! In Null komma nix war das Smartphone mit einer Spielkonsole gekoppelt
und ich hatte noch nicht die Zündung betätigt, da startete auf Uwes Tablet schon der erste Film!!

Ich war noch eine halbe Stunde am Nachdenken ob mich das womöglich stören würde, als ich erkannte dass Probleme ganz anderer Art auf mich zukamen:
Drei Stunden Autofahrt, minus der halben für`s schon Nachdenken, bleiben 2,5. Das mit einer Labradoroma mit Darmproblemen und zwei Teenies: Die haben zusammen vier Achselhöhlen, das war selbst für mich einfach zu rechnen.
Und man braucht nicht allzu schlau zu sein um zu wissen, dass vier Teenagerachselhöhlen allzu selten freiwillig mit Deodorant in Berührung kommen, rechnen muss man das sogar gar
nicht!! Und 32° Außentemperatur, Fenster öffnen ausgeschlossen!
Also bitte Jungs, lasst die Arme unten, ich reiche Euch alles was ihr braucht!! Blöd nur, dass dieses absolut doofe "Teenager-Furz-Gekicher-Phänomen" auch nicht lange auf sich warten ließ und so blieb mir nicht viel übrig als die nächsten 2,5 Stunden sehr flach zu hecheln und mein Auto endlich mal auf 160 kmH auszufahren, denn sprechen konnte ich nicht!

Angekommen beim Campingplatz versüßten uns eine Million Mücken die Situation und ich war heilfroh, dass mein Mann, wie abgesprochen schon das Zelt plus Interieur aufgebaut und eingerichtet hatte! Ungelogen, Uwe kam an als wollte er in ein schlechtes Fernsehformat von RTL2 einziehen, wie er da mit Polken und Rollkoffern über Schotter und durch Mückenschwärme brach, ins Zelt hinein. Es haben nur noch die Highheels gefehlt, einfach königlich!!

Na aber kennen wir uns ja schon! Und Ihr wisst auch, dass es so einige Probleme in meiner Mutterlaufbahn mit unserem Sohn gab. Dazu gehören natürlich auch
a) ich hab kein Bock aufzuräumen
b) die von mir vermutete Computersucht
c) Eltern finde ich total blöd
d)
e)………………………………………………….und und und und und

Aber irgendwie kam mir der Gedanke, dass es einfach Menschen gibt, die eben ganz anders sind als wir, also als mein Mann und ich, etwas anders als Sohni oder ganz anders als der Labrador! Und Uwe hatte ich ganz anders eingeschätzt!
Dieser Uwe hat halt auch ein ganz anderes Familienleben als wir. Eltern viel weg, er regiert sich selber in allem was er macht, Essen kochen und Computerspielen und eingeschlossen!! Und da bin ich uncool, das weiß ich genau!

Es stellte sich also heraus dass Uwe nicht von seinem Verhaltensmuster abweichen konnte. Das habe ich ja noch verstanden und ihn in Schutz genommen, auch vor meinem Sohn, der momenthaft schon angesäuert schien! Nochmal erklärt, Mensch, der kennt das halt nicht, für viele den Tisch zu decken, der isst immer alleine und braucht nur einen Löffel, blablabla. Da war ich noch NUR leicht angenervt. Als ich aber festgestellt habe, dass bei ihm zu Hause der Löffeln wohl von alleine an den Tisch kommt und er das bei uns auch so erwartet, da wurde es schon schwieriger. Denn ich sollte wohl den Löffelbringer miemen. Und wir alle wissen dass man etwas öfter miemen muss, will man Kakao, Haferflocken, Käse oder Joghurt haben! Findet Ihr den Fehler?

Nun gab es also schon öfter Zickereien, beide Teenager verteidigten ihre Rechte. Uwe seine Computerrechte, indem er schon morgens vor dem Frühstück den ersten Film guckte.
Sohni seine Schlafrechte, indem er einfach den Stecker zog. Uwe seine Rechte aus Prinzip nein zu sagen wenn Sohni ihn fragte ob er mit ins Wasser komme. Sohni seine Rechte, Uwe vorzuhalten dass Camping Teamarbeit sei und den artigen Sohn raushängen zu lassen and so on! Nach zwei Tagen hatten wir eine Situation an der wohl jeder Familientherapeut seine helle Freude hätte:

Zwei Teenager die nicht mehr miteinander sprachen. Uwe bockig und stumm, Sohni mir schon entschieden zu klugscheisserisch und folgsam. Ich dachte ihm wächst gleich ein braver Seitenscheitel. Angepisste Eltern, die sich das Ganze ja so total anders vorgestellt hatten. Denn das nächste Problem war ja dass die beiden permanent bei uns hockten und nichts mit sich anzufangen wussten!

Wir: Volleyball? Uwe: Oh nee, das ist ja gar nicht meins!
Wir: Tischtennis? Sohni: Zu viele Mücken!
Sohmi: Kommste mit tauchen? Uwe: Nee, aus Prinzip nicht!
Uwe: Kommste mit Film gucken? Sohni: Ach nee, aus Prinzip nicht, weil du nicht mit tauchen kommst!!
Wir: Ey Jungs, es sind bestimmt n paar hübsche Mädels hier!! Uwe und Sohni: Mädels? Wofür?

Wir: Haut jetzt endlich mal ab! Ihr seid Jungs und wir die Eltern!!
Und da kam uns der Gedanke, ob 14 wohl das neue 74 ist? Mädels, ich weiß es nicht!


Dass unser Plan vom entspannten Wochenende zum Scheitern verurteilt war wurde mir ganz klar als Wind aufkam und dieser entschied, unser Sonnensegel abzubauen! Da beschlich mich auch der Gedanke dass Uwes Einstellung zum Ganzen möglicherweise vorsätzlich war: 10 Löffel Haferflocken? WILL ich! Nur mir einen Löffel holen? WILL ich! Den Pudding alleine essen? WILL ich! Was tun? WILL ich definitiv NICHT!

Da weht es also an allen vier Ecken des Segels massiv und gleichmäßig! Sohni? Nicht zu sehen: der hat inzwischen beschlossen, sich seinen Spaß bei der befreundeten Rentnertruppe aus vorangegangenen Urlauben drei Wege weiter zu holen. Labrador? Für sowas nicht zu gebrauchen, scheidet als Hilfe aus. Kleiner Sohni? Hysterisch vor Freude über soviel Wind, allerdings auch keine große Hilfe.

Göga und ich springen also auf, Kaffetassen poltern, egal, egal, das Camp muss verteidigt werden!! Wir haben ja noch unseren Joker, den Uwe! Uwe!! Uwe!!! Uuuuuuuuuuuuwe!!

Aber Uwe sitzt irgendwie noch ziemlich entspannt da, das Sonnensegeldrama scheint ihn noch nicht erreicht zu haben obwohl ihm schon mehrfach der D-Ring der Befestigung an den Kopf gedengelt ist. Er sitz völlig paralysiert vor seinem Tablet und ich kann jetzt sehr klar meinen echt angepissten Gesichtsausdruck in seiner verspiegelten Sonnenbrille sehen.
Und nein, ich bin leider keine Übermutter wie diese, die schon seit wir dort sind, mehrmals mit ihren vier Kindern in Orgelpfeifengröße an uns vorbeigekommen ist und ständig beseelt lächelte, obwohl die Kinder ganz was anderes verdient hätten, so wie die sich aufführten. Nein, so eine bin ich jetzt auch nicht gewillt zu sein, denn mir fälltja ein, dass dies ja nicht mein Kind ist!!

Und da beschließe ich dass mir für den Rest der Tage alles am Ar.... vorbeigehen wird! Ich mache jetzt mein Ding!! Mach doch was du willst, du Kumpel meines Sohnes!
Uwe bemerkt anscheinend dass er wohl zu weit gegangen ist und beschließt, mir während des späteren Strandaufenthaltes Gesellschaft zu leisten. Denn aus Prinzip ist er ja wieder nicht ins Wasser gegangen.
Und so beschließt er mir mit doofen "Guck-mal-ist-das-nicht-unheimlich-komisch-mein-Handtuch-flattert-im Wind"-Spielchen Entertainment vom Feinsten zu bieten, geht mir damit aber gehörig auf die Nüsse!
Aber ich bleibe stur, Erziehung ist erst wieder meine Aufgabe wenn Sohni aus dem Wasser kommt. Ich ignoriere ihn!!


Zu einem späteren Zeitpunkt, als Uwe mal wieder nix will außer Film gucken und Sohni schon wieder seine Dinger wie

-He, wir essen gleich alle zusammen oder
-Uwe, hier ist Mama der Boss

raushaut, so dass ich ihn schon bitte, doch mal wieder den ätzenden Teenie raushängen zu lassen weil ich schon fast das Gefühl haben, mir wachsen Hubschrauberrotoren aus dem Kopf, gehe ich zu unseren Nachbarn!


Eine liebe und tolle Familie mit zwei tollen Mädchen und den ganzen Tag lang ganz toller lauter Streit, tolles Geheule und Geschimpfe. Ich liebe das!

Dort versuche ich unsere Teenies gegen eine Pfanne mit Knickhenkel einzutauschen, weil ich meine vergessen habe. Und die Teenies haben sich tiefgefrorenes Wienerschnitzel aus Massentierhaltung gekauft und das will ja schließlich gebraten werden! Aber als ich die Pfanne aus so kriege, merke ich dass mein Plan nicht aufgeht.
Die Nachbarn zögern ein Moment zu lange und ZACK, Gelegenheit vertan! Zugegeben war das in diesem Fall nicht so schlimm denn sonst hätten Göga und ich ja die Massentierhaltungsschnitzel essen müssen, denn die Labradordame dürfte sie nicht, denn sie hat ja Darmprobleme und hier schließt sich ein Kreis, merkt Ihr was?

Leider werde ich die Jungs auch nicht einen Tag später los als ich vorschlage, dafür die Mädchen mitzunehmen plus einem 12-teiliges Induktionskochgeschirr! Man merkt, diese Leute lieben ihre Kinder! Sie sind ja auch noch nicht im Teenageralter, in zwei Jahren werden die Angebote von ihnen kommen, wetten?

Ein Glück ist aus unseren 4 Tage ja schon der letzte geworden und den haben wir auch irgendwie noch rumgekriegt!
Ich könnte ja noch soviel erzählen, würde Euch aber sicher irgendwann langweilen. Wobei die Situationen wie das Zelt abbauen (Wir? Okay!! WUSCH!! Großer Haufen wie nach einem Hurrikane, FERTIG!!)
oder der aschfahle Gesichtsausdruck zweier aus Prinzip jetzt angepissten Teenies beim Vorschlag, sie sollten jetzt mal alleine abwaschen gehen....Oh Mann, das sorgt echt schon wieder für Heiterkeit!

Ganz abgesehen von diesen verbalen Leckerbissen die sich einem während solcher Tage um die Ohren schmiegen:
"Alder, tu Schrank!!", bei der Bitte des einen an den anderen eine Tasse einzuräumen!! Nein, nein, nein, never again with a Kumpel of the son!!

Fix ins Auto und nach Hause...bitte auch mit den Armen nach oben und ohne Deo!
Dafür spendierte ich ganz lässig, um vor Geruchs-und Verbalbelästigung gefeit zu sein jedem dieser Lichtwesen noch schnell eine Pringlespackung Cheese and Onion von der Tanke, Gott sein Dank sind wir bald daheim!!!

Und zu Hause? Da habe ich festgestellt dass sich Sohni schon wieder in den Tenniealien zurück verwandelt hatte,
ihm kein Seitenscheitel gewachsen war, ich nicht mehr der Boss, und Uwe? Den hatten wir wieder zu Hause abgesetzt! Wie schön!!!!!


Ich danke Euch für`s Zulesen und wünsche noch flamingogeile pinke Ferien

die smilla


5 Kommentare

Markus Lanz und die ADHS
von SusanneG In der Kategorie ADHS in den Medien am 24.08.2018 um 00:51 Uhr(zuletzt bearbeitet: 24.08.2018 17:55)

Sehr geehrter Herr Lanz,

Ihre Talkshow schaue ich gerne an, weil Sie immer wieder sehr interessante Gäste einladen. Auch die Diskussion gestern mit Herrn Altmaier, Frau Hildebrand und Herrn Bode fand ich spannend, da mich genau diese Themen (Macht der Konzerne, Vernichtung von Umwelt und Arbeitsplätzen und das Wenige, was wir diesbezüglich unternehmen) sehr bewegen und auch beunruhigen.

Was mich aber speziell gestern beunruhigte war Ihre Ankündigung, man wolle auch über Jan Ullrich sprechen, der an ADHS, einer Sucht nach Aufmerksamkeit, leide, und darüber, was passiert, wenn plötzlich diese große Aufmerksamkeit wegfällt. Da musste ich erst mal nach Luft schnappen.

Trotz dieser für mich unmöglichen Formulierung war ich als bekennender Fan von Sven Hannawald gespannt darauf, was er und Herr Prof. Lemke über das Leben nach dem plötzlichen Ende einer so grandiosen Sportkarriere berichten. Zehn Minuten lang ging es gut. Doch dann hätte ich den Fernseher ausschalten sollen. Denn dann wiederholten Sie die anfängliche Definition von ADHS „… in diesem Zusammenhang … ADHS … dieses Betteln um Aufmerksamkeit, diese krankhafte Suche nach Aufmerksamkeit …“.

Wo um alles in der Welt haben Sie diese völlig falsche, im Übrigen – vor allem den Betroffenen gegenüber - arrogante und überhebliche Definition der ADHS gelesen? Es wäre nett gewesen, wenn Sie sich im Vorfeld bei Herrn Prof. Lemke informiert hätten, wie man eine ADHS in wenigen Worten beschreibt.

Nebenbei bemerkt … wieviel und vor allem was soll ich denn von all Ihren anderen Anmoderationen halten, deren Richtigkeit ich nicht beurteilen kann?

Vor Herrn Prof. Lemke ziehe ich den Hut! Er hat, ohne Ihnen offen zu widersprechen, erst mal definiert, was eine ADHS ist (der Betroffene selbst kann seine Aufmerksamkeit nicht halten). Chapeau! Ich befürchte allerdings, seine Erklärung hat Sie nicht erreicht. Denn kurz darauf fragten Sie Herrn Hannawald, wie das denn sei, wenn plötzlich diese große Aufmerksamkeit weg ist. Mit seiner Antwort, gleich im ersten Satz, hat dann auch Herr Hannawald richtig gestellt, dass genau das nicht das Problem ist.

Problematisch finde ich auch Ihre Bemerkung zu Präsident Trump und einem potentiellen Zusammenhang zu ADHS. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass Arroganz, Diskriminierung von anderen Menschen und schlechtes Benehmen nicht zu den Diagnosekriterien einer ADHS gehören – dazu hält die ICD 10 etliche andere F-Diagnosen bereit.

Es gab Ihrerseits noch mehr Klöpse in dem Gespräch, die möchte ich jetzt gar nicht mehr im Einzelnen erwähnen. Worauf ich hinauswill, ist der Hinweis von Herrn Prof. Lemke, dass diese Diskussion in der Öffentlichkeit (betreffend psychische Erkrankungen) sogar gefährlich werden könnte.

Ist Ihnen eigentlich klar, was mit Betroffenen passiert, wenn sie oder ihr soziales Umfeld solchen und ähnlichen abwertenden und in meinen Augen sogar gefährlichen Falschinformationen aufsitzen?

Kinder mit ADHS erhalten keine Therapie – oft überhaupt gar keine Hilfe – weil ihre Eltern (oder auch mal die Fachkräfte des Jugendamts) an diesen Schwachfug glauben bzw. vom sozialen Umfeld dahingehend beeinflusst oder gar unter Druck gesetzt werden. Viele ADHS-Kinder durchleben in der Schule die Hölle, weil sie ständig falsch beurteilt, falsch behandelt oder gar (nicht selten sogar von Lehrkräften) gemobbt werden. Was das für ihre Schul- und Berufsausbildung für Folgen nach sich zieht, muss ich ja wohl nicht extra darlegen.

Selbst betroffene Erwachsene müssen sich dumm anmachen lassen und trauen sich nicht zur Diagnostik; infolgedessen bekommen auch sie keine fachlich richtige Information, keine Unterstützung, keine Hilfe. Beziehungen scheitern. Ihre Kinder (die nicht selten selbst eine ADHS haben) wachsen in Ein-Eltern-Familien auf; sie zählen häufig zu denen, die bei der Kinderarmut mitgezählt werden. Berufliche Schwierigkeiten werden auf Faulheit und Dummheit zurückgeführt (und das, obwohl ihr IQ nicht selten höher ist als der des Vorgesetzten). Kurz gesagt, sie scheitern im Leben, man zeigt mit dem Finger auf sie, redet über sie – und dann wundert man sich, wenn aus Suizidgedanken ein Suizid wird.

Besonders schlimm finde ich, dass nicht selten Fachleute auf diesen Zug aufspringen; dass sie lediglich Probleme (meistens die, die andere damit haben) und unerwünschtes Verhalten sehen und Faktoren wie der Verfügbarkeit von Neurotransmittern, Hemmung der höheren Handlungsfunktionen, verstärkter Reizwahrnehmung und dem Leiden der Betroffenen unter dem Feedback des sozialen Umfelds keinerlei Bedeutung beimessen.

Man schiebt dann alles auf Umweltfaktoren wie den finanziellen Background oder Bildungsstatus der Eltern oder deren Erziehungsunfähigkeit. Demzufolge werden Programme und Therapien entwickelt, die aufgrund des völlig falschen Ansatzes nicht greifen – gar nicht greifen können. Immense Beträge an Forschungsgeldern gehen dabei drauf, die an anderen Stellen dringend gebraucht würden.

Aufklärung der Öffentlichkeit über ADHS – man sagt, das sei wichtig und richtig. Nach zwanzig Jahren in der ADHS-Selbsthilfe zweifle ich inzwischen daran. Pseudo-Wissenschaftler erhalten einfach mehr Gehör, mehr Bühne. Die Information der Öffentlichkeit könnte zum Beispiel durch Betroffene wie Herrn Hannawald oder durch kompetente Fachärzte wie Herr Prof. Lemke erfolgen. Man müsste sie eben ausreden lassen.

Eine Frage beschäftigt mich noch. Würden Sie denn genauso abfällig über ADHS oder Menschen mit ADHS sprechen, wenn auch bei Ihnen eine ADHS diagnostiziert werden würde? An einzelnen Symptomen mangelt es Ihnen ja nicht …

Über eine Stellungnahme freut sich
SusanneG

Hier geht es zur Mediathek.


4 Kommentare

Wer die ADHS nicht versteht, soll bitte keine Empfehlungen für Eltern erarbeiten!
von SusanneG In der Kategorie ADHS in den Medien am 19.04.2017 um 21:29 Uhr

Dank Facebook begegnet mir mehrmals täglich irgendein Bullshit zum Thema ADHS. Das reicht bei mir schon lange nicht mehr aus, um auch nur eine Augenbraue hochziehen zu wollen.

Immer wieder mal stolpere ich auch in unserer Linksammlung über den einen oder anderen Schwachfug. Doch da wir hier im Forum User haben, die wissen, was ADHS ist, posten wir auch Links zu Schwachfug - schließlich müssen wir ja wissen, was man "draußen" so über uns redet. In der Regel reicht da bei mir ein Kopfschütteln, hin und wieder muss ich mit den Augen rollen - und dann hab ich auch schon wieder vergessen, was ich da gelesen habe.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Mitunter kommentiere ich unsere Schwachfug-Links und bringe da auch gerne mal eine Diskussion ins Rollen. Und wenn es ganz dicke kommt, dann muss ich es bloggen .

Die Frankfurter Rundschau titelt:

Zitat
Chaos erschwert die Erziehung
Vor allem Kindern mit ADHS leiden unter fehlenden Strukturen im Familienalltag. Außerdem werden sie häufiger von ihren Eltern kritisiert.


Oha! Eine solche Überschrift lässt Böses ahnen!

Natürlich erschwert Chaos die Erziehung, das ist ja jetzt keine neue Erkenntnis. Doch welches Chaos ist da gemeint?

Fehlende Strukturen im Familienalltag - darunter leidet die ganze Familie, nicht nur Kinder mit ADHS. Deshalb sind Eltern in ADHS-Familien ja so dahinter her, dass der Alltag Struktur hat - auch wenn das zunehmend schwieriger wird und manch ein ADHS-Kind mehr Termine hat als ein Erwachsener.

Der letzte Satz hat es in sich: Sie werden häufiger von ihren Eltern kritisiert! Ach nee!? ** Ironie on ** Diese Versager-Eltern, die ihre Kinder mit Drogen ruhigstellen, die wagen es, ihre Kinder zu kritisieren? Wo doch eine hinter die Löffel schon reichen würde ... ** Ironie off **

Ok, nachdem ich meine Ironie schon ausgepackt habe, kann ich auch gleich den Artikel lesen ...

Die Bildunterschrift ist der Eye-catcher schlechthin:

Zitat
Hilfreich ist, Hausaufgaben alleine in einem ruhigen Raum erledigen zu lassen.


Ich fasses nicht ! Von einer solchen Hausaufgaben-Idylle träumt jede mir bekannte Mutter eines ADHS-Kindes (vergeblich, versteht sich). Und ich kenne viele Mütter von ADHS-Kindern, sehr viele!

Das war erst Satz vier und mir ist zum ... Weia!

Zitat
Welche Eltern kennen es nicht – den täglichen Kampf gegen das Chaos im Haushalt? Besonders stark betroffen davon sind wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge Familien, deren Kinder an einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden. Wie eine Arbeitsgruppe der Frankfurter Universität nun nachweisen konnte, werden Kinder mit ADHS häufiger von ihren Eltern kritisiert. Zudem reagieren die betroffenen Erwachsenen stärker mit inadäquatem Erziehungsverhalten.

Für die Studie sind Daten von insgesamt 84 Kindern im Alter von 7 bis 13 Jahren ausgewertet worden. 31 Kinder gehörten zur ADHS-Gruppe, 53 zur Kontrollgruppe. Erfragt wurde mittels eines standardisierten Fragebogen, wie intensiv sich Eltern um ihre Kinder kümmern, ihnen positives oder negatives Feedback geben, wie stringent sie erziehen und ob sie körperlich strafen.

Positive Beziehung zum Kind

Zudem sprachen die Psychologen mit einem Elternteil, wobei diese die Persönlichkeit des Kindes sowie ihre Beziehung beschreiben sollten. Zur Überraschung der Forscher schätzten Eltern von Kindern mit ADHS die Beziehung zu ihren Kindern positiver ein als Eltern aus der Kontrollgruppe. Mutmaßlicher Grund dafür könnte sein, dass einige der betroffenen Familien bereits an einer Therapie teilnahmen, wodurch das emotionale Klima verbessert werden konnte.

„Ein sehr chaotischer und unstrukturierter Haushalt, der durch die ADHS-Symptomatik der Kinder mitbedingt ist, erschwert es Eltern, autoritativ zu erziehen“, betonte Andrea Wirth, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der pädagogischen Psychologie an der Goethe-Universität. „Gleichzeitig ist anzunehmen, dass die Eltern trotz des herrschenden Chaos ihre Kinder mögen, positiv über sie sprechen und es genießen, Zeit mit ihnen zu verbringen.“

Die Arbeitsgruppe am LOEWE-Zentrum Idea plant Empfehlungen für Eltern zu erarbeiten, die helfen das Familienleben zu ordnen, stärker auf Routinen zu achten und den Alltag besser zu organisieren. Dazu zählt beispielsweise, Hausaufgaben alleine in einem ruhigen Raum erledigen zu lassen und währenddessen Radio und Fernseher auszuschalten.



Also, ich bin jetzt ziemlich verunsichert ...

31 Kids stehen hier für den "repräsentativen Querschnitt" deutscher ADHS-Kinder. Doch so viele ?! Nach welchen Kriterien wurden die Familien ausgewählt? Nach den im Artikel zitierten Aussagen des Forscherteams kann es sich jedenfalls nicht um die Sorte Eltern handeln, die in unserem Forum liest .

Oder hat da etwa ein Journalist über eine Studie geschrieben, bei der es um Kinder und am Rande auch um Hausaufgaben geht - und das Ganze dann in bewährter Manier mit unseren vier Buchstaben dekoriert, damit sich der Artikel besser verkauft ?

Zum Artikel geht es hier: ADHS in der Familie

Leider habe ich auf den Seiten der Studienbetreiber keine Hinweise auf diese Studie gefunden, was durchaus an meinem selektiv überhüpfenden Wahrnehmungsstil liegen mag. Also habe ich den Artikel kommentiert:

Zitat
Schade, dass sich niemand Gedanken darüber gemacht hat, weshalb Kinder mit ADHS vorzugsweise bei Mama am Küchen- oder Esstisch mit irgendeinem Hintergrund-Gedudel ihre Hausaufgaben machen. Ich kenne keine Mutter eines ADHS-Kindes, die sich diese Idylle mit geräuscharmen Hausaufgaben im Kinderzimmer nicht wünschen würde.
Die Geräuschkulisse im Hintergrund hilft den Kindern, ablenkende Nebengeräusche auszublenden. Jedes zusätzliche Geräusch lenkt ab.
Die Gegenwart von Mama wird benötigt als Motivator und Kameltreiber. Lässt Mama heute ihr Kind im Kinderzimmer gewähren, steht es morgen ohne Hausaufgaben da. Lehrkräfte sind mehrheitlich nicht geneigt, dies zu akzeptieren.
Nicht selten muss Mama zuhause auf-, nach- und wiederholen, was ihr Kind aufgrund mangelnder Struktur im Unterricht nicht mitbekommen hat. Man kann nur hoffen, dass Mama früher in der Schule aufgepasst hat ...
Seit 22 Jahren beschäftige ich mich (tagtäglich!) mit dem Thema ADHS, bin seit 17 Jahren aktiv in der ADHS-Selbsthilfe tätig, selbst ausgebildete ADHS-Elterntrainierin und habe nur den einen Wunsch: Bitte erkundigen Sie sich auch in der ADHS-Selbsthilfe, bevor Artikel über Menschen mit ADHS veröffentlicht werden - bitte sprechen Sie MIT uns, nicht nur über uns.



Noch ein weiterer Kommentar stammt aus unserem Forum:

Zitat
Also schon der erste kurze Abschnitt hat mich vom Weiterlesen abgehalten:
Haushalte in denen Kinder mit einer ADHS leben haben keine Strukturen und noch dazu kritisieren die Eltern häufiger als andere?

Das ist soviel Blödsinn in zwei Sätzen und schlichtweg falsch! Die Strukturen in einer Familie mit einem ADHS-Kind sind fester als irgendwo, das lernen die Eltern schnell! Wo bitte sind denn die Strukturen im "außerhäuslichen Bereich"?, z.B. Schule?!

Dort ist das Wissen über eine ADHS so klein dass Vieles nicht gibt, aber Chaos, das herrscht!! Leider werden die Kinder von Lehrern sehr häufig, über die Maßen und jahrelang kritisiert! Eltern sind oftmals die einzigen die in ihren Kindern das Gute sehen...

Es ist traurig und enttäuschend dass soviel Missverständis herrscht und durch solche Beiträge noch verschlimmert wird! Man sollte unbedingt aufhören die Eltern ständig als grenzdebil und erziehungsunfähig darzustellen, sind es doch die Einzigen in dieser Gesellschaft die ADHS-Kinder wirklich verstehen!!


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ADHS durch Fluorid?
von SusanneG In der Kategorie ADHS in den Medien am 19.04.2017 um 17:48 Uhr

Dieser Beitrag steht schon etwas länger im Forum, seit 22.05.2016. Ich habe also keine Ahnung, ob der Link noch funktioniert - und das ist mir auch wurscht. Wer braucht schon den Link?

--- .. --- .. --- .. ---

Mädels und Jungs,

ich bin im falschen Film ! Gut, dass ich schon gesessen bin.

Zahnpasta - Fluorid - ungesund ... da hab ich neulich schon was drüber gelesen. Wie war das noch? Fluorid ist einerseits schädlich, andererseits brauchen wir es. Also was jetzt? Hmmm, wir ignorieren jetzt mal die Überschrift.

Zitat
Forscher der Icahn School of Medicine am Mount Sinai in New York und der Harvard School of Public Health in Boston haben eine Meta-Analyse 27 früherer Studien zur gesundheitlichen Wirkung der Chemikalie Fluorid durchgeführt. Das Ergebnis: ... Ebenso wie Quecksilber, Blei oder andere chemische Stoffe schade Fluorid nämlich dem Gehirn. Einzeln und in geringen Mengen seien diese vielleicht harmlos, in Kombination könnten aber erhebliche neurologische Schäden auftreten. ... Doch warum ist dann Fluorid überhaupt in unserer Zahnpasta?

In den 70er Jahren wurde eine erstaunliche Beobachtung gemacht: In Gegenden, in denen das Spurenelement Fluorid im Trinkwasser vorhanden war, hatten Menschen deutlich weniger Karies und weißere Zähne als in anderen Regionen. In der Folge reicherten einige Länder wie die USA und Australien das Trinkwasser bewusst mit dem Stoff an. Deutschland entschied sich gegen eine derartige Zwangsmedikation. Hierzulande wurden aber verschiedene Produkte, unter anderem Zahnpasta, mit Fluorid versetzt. Bis heute ist der Stoff allerdings umstritten. Einige Studien konnten eine positive gesundheitliche Wirkung nachweisen, andere – so wie die aktuelle Untersuchung aus den USA – berichten Gegenteiliges. Experten fordern weitere umfassende Tests wie auch Warnhinweise auf Produkten. Verbraucher können vorbeugen, indem sie die Zahnpasta immer ausspucken und den Mund anschließend gründlich ausspülen.



Da hat jemand geforscht, ob und falls ja Fluorid irgendwie gesundheitsschädlich ist. Und wenn da nur das stehen würde, was in diesem Zitat steht, würde ich das sogar glauben - ich bin kein Wissenschaftler, kann es nicht widerlegen, will es vermutlich auch gar nicht widerlegen. Mir schießt nur wieder die gleiche Frage durch den Kopf wie beim letzten Artikel, den ich irgendwann irgendwo zu gesundheitlichen Schäden durch Fluorid gelesen habe: Wieso geben wir dann unseren Säuglingen diese D-Fluoretten? Und wenn ich damals, vor fast fünfzig Jahren, in Chemie besser aufgepasst hätte, dann würde ich jetzt auch den Unterschied zwischen Fluor und Fluorid kennen.

So weit, so gut - oder auch nicht, denn ...

... wir sind in Facebook - ein Klick auf Martin Winklers Blog ... und schon kommen sie, die "ähnlichen Beiträge", die mir vorgeschlagen werden. Schon beim Anklicken wusste ich, dass ich an der Decke hängen werde. Leute, ADHS ist Neurobiologie und Neurobiologie ist Wissenschaft! OK, ich poste jetzt mal den vollständigen Absatz 1 des Artikels nebst Überschriften (Hervorhebungen sind von mir):

Zitat
Autismus, Legasthenie und ADHS durch Fluorid

Forscher der Icahn School of Medicine am Mount Sinai in New York und der Harvard School of Public Health in Boston haben eine Meta-Analyse 27 früherer Studien zur gesundheitlichen Wirkung der Chemikalie Fluorid durchgeführt. Das Ergebnis: Der Stoff kann ursächlich für ADHS, Legasthenie und Autismus sein. Ebenso wie Quecksilber, Blei oder andere chemische Stoffe schade Fluorid nämlich dem Gehirn. Einzeln und in geringen Mengen seien diese vielleicht harmlos, in Kombination könnten aber erhebliche neurologische Schäden auftreten. Entwicklungs- und Aufmerksamkeitsstörungen wie ADHS, die auf Chemikalien zurückzuführen seien, hätten in den letzten Jahren stark zugenommen. Doch warum ist dann Fluorid überhaupt in unserer Zahnpasta?



Echt jetzt?! Geht's noch?! Hamse die noch alle? Wo steht das? SAT.1 Ratgeber. Oh, jetzt seh ich erst, was vorhin die Anzeige verdeckt hat :

Zitat
ADHS durch Fluorid in Zahnpasta?
Dass es einen Zusammenhang zwischen Zahnpasta und ADHS gibt, klingt überraschend. Doch Forscher haben ermittelt, dass der in Zahnpasta enthaltene Stoff Fluorid neurologische Schäden verursachen kann.



Ich sags ja, schlimmer geht immer. Und weil wir ja im Forum immer wieder Märchen durch wissenschaftliche Erkenntnisse widerlegen, analysiere ich jetzt gleich noch diese journalistische Glanzleistung.

Jemand führt eine Studie durch und veröffentlicht die Ergebnisse. Das Internet ist voll von Artikeln und Diskussionen über gesundheitliche Schäden durch Fluorid. Wie kann man jetzt diesen soundsovielten Artikel zu diesem Thema so aufmotzen, dass er gelesen wird? Ihr wisst es alle: Man packt einfach die vier Buchstaben A, D, H und S in die Überschrift und schon ist der neue Bericht, die neue Studie, in aller Munde (wie Fluorid, fällt mir da gerade ein ).

Gehirn? Neurologische Schäden? Ganz klar - ein Fall für ADHS. Man braucht nur zwei phantasievolle Schlagzeilen und zwei abenteuerliche Sätze einflicken, und schon läuft das Ganze unter Sensationsberichterstattung. Und damit die ADHSler nicht motzen, packen wir mal Autismus und Legasthenie dazu. Wieso eigentlich Legasthenie?

Und wie ist das jetzt mit Tourette?

... fragt sich
Susanne

Für die Hartgesottenen: http://www.sat1.de/ratgeber/gesundheit/a...id-in-zahnpasta


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Von (un-?) bewusstem Fake in den Medien und anderen Katastrophen
von SusanneG In der Kategorie ADHS in den Medien am 28.02.2017 um 15:19 Uhr

Ich mach da jetzt mal ein neues Fass auf … ein Fass mit viel Sarkasmus drin.

Hab ich schon erwähnt, dass ich weder Arzt noch Apotheker noch sonst ein Wissenschaftler bin und an Menschen mit ADHS kein Geld verdiene? Gut. Rein aus persönlichem Interesse bin ich seit 20 Jahren im Thema ADHS und seit 17 Jahren in der ADHS-Selbsthilfe. Vermutlich kann ich logisch denken und Zusammenhänge erkennen. Und immer, wenn mein Bauch grummelt, frage ich mich: Qui bono?

Da ist zunächst einmal die Stammtisch-Diskussion zur ADHS. Jeder hat ne Meinung, keiner hat Ahnung. Scheint ein interessantes Thema zu sein, denn die Medien haben es aufgegriffen. ADHS ist in aller Munde. Die Meinungen sind vielfältig, aber Ahnung hat immer noch keiner.

Die Laienpresse weiß inzwischen, wie ADHS verursacht wird (Lakritz, Zahnpasta, Rauchen, zu wenig elterliche Zuwendung, zu viel elterliche Zuwendung, kein Wunschkind, Wunschkind, zu wenig Sport, zu viel Sport, Gebärmutterhalskrebs – äh, oder war das Autismus? Wurscht! Davon hat die Laienpresse auch keine Ahnung.

Inzwischen wissen ja auch alle, wie man ADHS heilt: Algen, Bachblüten, Globuli, Fischöl, eine hinter die Löffel, Vitamin A bis Y, Zink … und dann ist da noch dieses hochgefährliche Ritalin, mit dem man Kinder ruhigstellt und in die Sucht treibt.

Sarkasmus off? Nö, jetzt noch nicht!

Da war noch was mit der Pharma-Industrie … Achso, ja, die kriminelle Pharma-Industrie hat ADHS erfunden, damit sie ihre Medikamente verkaufen und einen Haufen Kohle scheffeln kann.

Hmmm … die Pharma-Industrie stellt Medikamente her, um sie zu verkaufen und damit Gewinn zu erwirtschaften. Die Auto-Industrie stellt Autos her, um sie zu verkaufen und damit Gewinn zu erwirtschaften. Bei der Auto-Industrie ist das ok. Kann mir bitte jemand den Unterschied erklären?

Und wie ist das mit Krebs? Hat die Pharma-Industrie auch Krebs erfunden, um ihre Medis Gewinn bringend zu verkaufen? *duck*

Es scheint also so zu sein: ADHS ist eine erfundene Krankheit. Kinder, bei denen eine ADHS diagnostiziert wird, sind nur schlecht erzogen. Und wenn die Argumente für „ADHS gibt’s nicht“ ausgehen, dann darf man diesen armen Kindern weiß der Geier was antun, nur eines nicht: Ritalin.

Aber jetzt: *Sarkasmus off*

An allen Ecken und Enden wird geforscht. Ich finde es super, dass man inzwischen auf der Netzhaut und im Größenverhältnis der Gehirnareale Unterschiede zwischen Menschen mit ADHS und neurotypischen Menschen nachweisen kann. Und ich bin dankbar für jeden körperlichen Unterschied, der entdeckt wird. Hier wird geforscht, um Nachweise zu erbringen, und das finde ich toll.

So ganz unterdrücken lässt sich der Sarkasmus nun aber doch nicht, denn …

Man forscht auch an alternativen Therapiemöglichkeiten; erst Neurofeedback, jetzt Hirnstimulation. Vergessen sind die körperlichen Merkmale – ADHS wird auf mangelnde Konzentrationsmöglichkeit und vielleicht noch Impulsivität reduziert. Man nimmt ein Gerät, das für Therapien bei Angst oder Depressionen oder Multiple Sklerose oder Schmerzen oderoderoder entwickelt wurde und beantragt Fördergelder, da man eine Therapiemöglichkeit für Menschen mit ADHS erforschen will, die es ermöglichen soll, auf die Gabe von Medikamenten zu verzichten.

Echt jetzt? Ja. Dieser Hinweis steht auf einer der ersten Seiten des Verkaufsprospekts für Neurofeedback-Geräte. Nicht ganz so deutlich, aber doch wahrnehmbar, steht er auch in den Veröffentlichungen der Uni Kiel.

Zusammengefasst könnte das bedeuten: Die Sensationsberichterstattung hat dafür gesorgt, dass man mit dem Argument, eine Alternative zu Ritalin zu beforschen, jede Menge Forschungsgelder locker machen kann.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Qui bono?
… fragt sich Susanne


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Schschöööönenn Adwääänt wüüünsch isch eusch...HICKS...uuuuuuuuuuups! Sorry...
von smilla In der Kategorie ADHS in den Medien am 03.12.2016 um 20:51 Uhr

Heute umtreibt mich die Frage, ob es nicht besser wäre, die Weihnachtszeit aus unserem Jahresablauf zu entfernen!? Irgendwie ist sie, finde ich, nicht ADHS- tauglich, besonders wenn die ADHS schon soweit gestreut hat dass sogar der Hund betroffen ist!

Es ist schon recht schwierig, einen Weihnachtsmarkt zu besuchen: Geht ja quasi schon bei der Planung des Vorhabens los!

Welcher Markt, wenn jeder einen anderen will und Teile von uns gar keinen? Die Teile sind
Göga und der Große, das Baby freut sich auf Action und der Hund wird nicht gefragt, um das
Ganze nicht noch zu verkomplizieren!!
Also entscheide ich und nach einer Stunde sind einige Fragen, fest verbunden mit dem Abenteuer
was wir begehen wollen, beantwortet:

- wie lange fahren wir?
- gibts da auch was zu Essen?
- darf ich Pommes, Poffertjes und Waffeln?
- darf ich danach eigentlich noch fernsehen?
- muss ich dann kein Englisch mehr üben?

Alle eingeladen und ruckedizuck zum Weihnachtsmarkt, diesmal ein Multikultimarkt zusammen mit Flüchtligen organisiert und deshalb bestimmt mal was anderes! Und nicht so groß, also ein überschaubares Ding!!
Kommen in die Stadt und was ist: Verkehrschaos!! Oje, wo denn parken?! Da muss ja der Bär los sein!!!!

Eine abgesperrte Straße befahren und die Posten nach der Parksituation befragt:
"Links, rechts, links. Parken und von dort fährt ein Shuttle Service!"

Shuttleservice? Oha, da haben wohl alle 4000 Flüchtlinge unserer Stadt ihre Finger im Spiel bei diesem Weihnachtsmarkt, der muss ja riesig sein!!

Also geparkt, Baby eingepackt, Knäckebrot in die Faus uns los!
Sehr glücklicherweise haben wir genau vor unserem Auto 45 Euro in bar gefunden! Das war stimmig für die ganzen orientalischen Köstlichkeiten, die auf diesem Markt angepriesen waren, kombiniert mit unserer Gier auf Ungesundes!

Ohne Service, waren nur 200 Meter... dort angekommen finden wir: NICHTS!!!! Totale Verweisung des Festivalgeländes! Keine multikulti Buden mit orientalischen Köstlichkeiten! Nanu? Wo sind die Massen?

Enttäuschung pur, die ganze Familie traurig...

Aaaaaaaaaaaaber, hey Mann!! Wir sind ja nicht umsonst ADHS-ler Wir können nicht lange böse sein und sind nicht nachtragend! Glücklicherweise findet genau daneben ein riesiges FOOT-TRUCK-FESTIVAL welches ganz schnell zu unserem neues Endziel erklärt wird!

Pommes, Burger, Burritos und lauter geile Sachen- das gefundene Geld versetzt und die ganze Familie: wieder glücklich!!

Leider hatten wir geräuschetechnisch im Auto und zu Hause das Gefühl, Santa Claus sei schon mit 380 Rentieren bei uns eingezogen...da waren wohl viele Geschmacksverstärker drin!!

Aber auch dieses Problem hat Mutti kosequent gelöst: Habe schnell eine "Likörchenzeit" anberaumt...und dieser selbstgemachte Eierlikör von Omma wirkt wie so `n Weichzeichner!!

Hätte glatt die Bimmel noch rausholen können und mit Santa Claus gemeinsam übers Sofa preschen können, so entspannt wurde ich plötzlich!!

Naja, aber ich muss aufpassen, denn morgen ist ja erst der zweite Advent! Ein wenig Zeit vergeht ja noch bis ich diese ADHS-unkompatible Zeit wieder los bin
Oder ich werde Likörabhängige!!

In diesem Sinne Euch allen einen tollen zweiten Advent!

smilla


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Jahreswechsel
von SusanneG In der Kategorie ADHS in den Medien am 31.12.2014 um 00:56 Uhr(zuletzt bearbeitet: 31.12.2014 15:58)

Vor ein paar Tagen entdeckte ich im Internet einen Artikel - den besten Artikel über ADHS, den ich im ganzen Jahr 2014 gelesen hatte.

Die Verteufelung von Ritalin zerstört Familien, dieser Artikel von Monika Bütler und Urs Birchler erschien am 06.04.2014 in der Neue Züricher Zeitung - als Stellungnahme zu einem zuvor erschienenen Interview mit Pascal Rudin. Offenbar hat man in der Schweiz das gleiche Problem mit unsachlicher und unseriöser Berichterstattung.

Zitat
"Weshalb denn stürzt sich die Gesellschaft plötzlich auf Kinder mit ADHS? Müssen Diabetiker fürchten, sich bald vor Insulingegnern rechtfertigen zu müssen? Sollen wir nächsten Winter heimlich zur Grippeimpfung gehen?

Das untrüglichste Anzeichen für Hexenjagd liefert Rudin gleich selbst: Die Mütter sind schuld. Sie seien es, die gegenüber den zögernden Vätern die Pille durchsetzen. Dass die Mütter auch den grössten Anteil an ADHS-bedingten Krisen abzuwettern haben, geht vergessen. Wetten, dass Mütter auch die meisten Fieberzäpfchen geben?"



Also, bei der Fieberzäpfchen-Wette, da würde ich nicht dagegenhalten ...

Zum vollständigen Artikel geht es hier:

Ein neues Jahr steht vor der Tür. Soll ich mir für 2015 wünschen, dass es mehr solche Artikel zu lesen gibt? Hmmm. Ja, das wäre schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Es geht aber auch besser:

Für 2015 wünsche ich uns sachliche, korrekt recherchierte Berichterstattung über ADHS, damit Artikel wie dieser gar nicht mehr notwendig sind.

Ich wünsche uns allen einen rutschfreien Jahreswechsel und für das neue Jahr alles Gute! Bis dann dann, wir lesen uns wieder ... nächstes Jahr .

Susanne


2 Kommentare

Zeitungsartikel
von FaVe In der Kategorie ADHS in den Medien am 16.11.2014 um 00:11 Uhr(zuletzt bearbeitet: 17.11.2014 19:25)

Wenn mir innerhalb von wenigen Tagen zwei Freundinnen einen Artikel aus der Süddeutschen geben, wo mal wieder behauptet wird, Ritalin mache süchtig und die Mami vom betroffenen Kid die Medis selbst probiert ...... dann geht mir mal wieder der Hut hoch: auch wenn der Rest gut geschrieben ist. Eigentlich geht es um Neurofeedback, aber auch darum, wie man von dem bösen Ritalin wegkommt ......
Vielleicht hat die Frage demnächst mal im Forum bei Therapien und Medikamente Platz, welche Erfahrungen es damit inzwischen gibt.


So, mal sehen, wie das hier so weitergeht und wie es gleich aussieht.

FaVe


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Also, es gibt Kommentare ...
von SusanneG In der Kategorie ADHS in den Medien am 12.11.2014 um 00:13 Uhr(zuletzt bearbeitet: 12.11.2014 19:45)

ADHS rückt in den Fokus titelt der Schwarzwälder Bote vom 10.11.2014 und weist auf ein Arzt-Patienten-Forum hin, das von der KVBW und der VHS veranstaltet wird. Man sollte daran teilnehmen, das ist bestimmt eine zielführende Veranstaltung. Oh, das hat ja schon jemand kommentiert:

Zitat
Zitate: Doch die Modediagnose AHDS ist vor allem eines: Ein riesen Geschäft für die Pharma-industrie. Laut Spiegel seien die Verschreibungen von Ritalin von 34 Kilogramm im Jahre 1993, auf Jahr 1760 Kilogramm im Jahr 2011 angestiegen. Deutsche Apothekerzeitung: Methylphenidat gegen ADHS – Ein „Goldesel“ für die Pharmaindustrie Spiegel online: ADHS, Burnout, Depression: Forscher warnen vor Millionen Scheinpatienten usw. Laßt Kinder doch mal wieder so schreien, wie wir Erwachsene es doch gern täten ( und tun, z.B. Fußball). Schreien, Toben, Lärmen, Dreck machen, nicht: Wenn du nicht ruhig bist, nehme ich dir das (technisches Gerät eintragen) weg. Allerdings in der Schule, aufmüpfiges Kind - Ritalin, macht es einfacher für Lehrende (neublöd für Lehrer und Lehrerinnen). Noch’n Zitat: Zusätzlich bestehen sozial unverträgliche (dissoziale) Verhaltensweisen wie Aufsässigkeit, Aggressivität, Wutausbrüche, Destruktivität, Stehlen oder Schuleschwänzen über mindestens sechs Monate und in einem Ausmaß, das die Diagnose "Störung des Sozialverhaltens" rechtfertigt. Ist aus dem DSM-5, wo altersschwache Fachidioten neue Krankheiten erfinden, die ihren Berufsstand rechtfertigen. Leider gibt es genug, die diesen Mist glauben. Obwohl es sich um normale Verhaltensweisen handelt, die man mit Verständnis und ein wenig Überredungskunst wohl hinbekommen könnte.



Alllso ... ich sach da etz ma nix zu, ne? Doch wieder einmal hat jemand meinen Glauben an das Gute im Menschen tief erschüttert.

Inzwischen kann ich Schwachfug in den Medien ganz gut ignorieren und will darauf gar nicht mehr reagieren. Ich will lieber agieren. Soll ich den Kommentar trotzdem kommentieren? Eigentlich ist mir das zu doof, doch uneigentlich habe ich mich rein vorsorglich mal registriert ... man weiß ja nie, wie man in zehn Minuten darüber denkt. Und ja, ich habe auch die Gebrauchsanweisung für Kommentare gelesen. Dieser ist u.a. zu entnehmen, dass Kommentare dann nicht veröffentlicht werden, wenn sie "... Diskriminierungen und Beleidigungen enthalten ..." Oh! Weshalb durfte dann dieser Kommentar veröffentlicht werden?

Provokante Medienberichterstattung - nicht nur aufgrund mangelnder Recherche - sind wir inzwischen ja leider gewohnt. Doch was mich immer noch auf die Palme klettern und mit Kokosnüssen schmeißen lässt, das sind Kommentare von Menschen, die offensichtlich keine Ahnung haben und nur irgendetwas nachbabbeln, was sie irgendwo aufgeschnappt haben. Sind die einfach nur doof oder wollen sie uns ganz bewusst schaden?

Sorry, ich konnte das einfach nicht so stehenlassen.

Zitat
Vielen Dank, Herr M..., für Ihre prägnante Zusammenfassung all dieses provokanten Schwachsinns, der gerne in den Medien verzapft wird. Leider gibt es genug, die diesen Schwachsinn glauben. Hier tun sich für mich Fragen auf, um deren Beantwortung ich Sie bitte: 1. Welches Interesse treibt Sie zu solchen Kommentaren? 2. Welchen Vorteil ziehen Sie aus derartigen Kommentaren? 3. Bekommen Sie Geld dafür? Vielen Dank für Ihre Antwort. Susanne Gröpel ADHS Deutschland e.V. Selbsthilfe für Menschen mit ADHS



Immer wieder frage ich mich, wer von der negativen Berichterstattung profitiert. Sie scheint zu Auflagensteigerung und besseren Einschaltquoten zu führen; vielleicht auch dazu, dass sich Bücher, die viel Blech enthalten, besser verkaufen. Sei's drum. Irgendjemand wird schon Kohle damit machen. Doch was Menschen zu derartigen Kommentaren treibt, werde ich wohl nie verstehen. Es kann doch wohl nicht jene Pseudo-Kirche hinter all dem Geschwätz stecken .

Inzwischen bin ich wieder von der Palme heruntergeklettert. Den Kommentar des Herrn M. habe ich noch gut ein Dutzend mal durchgelesen. Was ich bei all den Zitaten vermisse, ist, wo ein Zitat zu Ende ist. Denn falls es sich durchweg um eine Ansammlung von Zitaten handelt, die nicht zwingend die Meinung des Kommentators widerspiegeln, hat Herr M. das Gleiche gemacht wie wir auch: Er hat angeprangert, was in den Medien für ein Schwachsinn publiziert wird. Dann hätte ich Herrn M. mit meinem Kommentar Unrecht getan.

Falls dies zutrifft, Herr M., und Sie ausschließlich Schwachsinn zusammengefasst, diesen aber nicht (bzw. nicht so, wie es bei mir ankam) kommentiert haben, dann haben wir beide damit ein beeindruckendes Beispiel selektiver Wahrnehmung geliefert. Dann gibt es uns also doch, uns Menschen mit ADHS ...

... schlussfolgert Susanne


2 Kommentare

ADHS? Gibt's nicht geht nicht!
von SusanneG In der Kategorie ADHS in den Medien am 04.11.2014 um 00:00 Uhr(zuletzt bearbeitet: 12.11.2014 19:48)

Immer wieder begegnen wir in den Medien, an Stammtischen, ja sogar in den Selbsthilfegruppen - nicht immer, aber immer öfter - der Behauptung, es gäbe gar keine ADHS. Warum eigentlich? Es stellt doch auch niemand Diabetes infrage oder Bluthochdruck oder Kurzsichtigkeit oderoderoder ... Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr drängt sich mir die Vermutung auf, hierfür gäbe es nur zwei Gründe, allerdings völlig unterschiedlicher Natur. Und binär, wie ich nun mal denke, gibt es für mich auch nichts dazwischen.

Gewiss, man kann solcherart Berichterstattung (das Gerede an Stammtischen oder sonstwo ist schließlich nichts anderes als ein Nachbabbeln unseriöser oder unzureichend recherchierter Behauptungen in irgendwelchen Medien) einfach ignorieren. Betroffene wissen nicht nur, dass es eine ADHS gibt - sie wissen auch, wie sie sich anfühlt. Alle anderen plappern irgendetwas nach, was ihnen irgendjemand vorgesetzt hat. Verkaufszahlen (oder ganz modern: Klicks) steigert man am besten mit einer Behauptung, die den geneigten Leser neugierig machen soll, und untermauert diese Behauptung mit gnadenlosen Schuldzuweisungen. Niemand käme auf die Idee, den Wahrheitsgehalt solcher Schuldzuweisungen zu hinterfragen. Wir auch nicht! Denn ist es nicht so, dass wir fast alles glauben, was in der Zeitung steht, weil uns selbst für die kleinsten Zweifel der begründete Anlass fehlt? Weshalb also sollten neurotypische Menschen an der Seriosität der Berichterstattung zur ADHS zweifeln?

Doch irgendwann regt es einen doch auf, diese ewig neue Wiederholung bewusst falscher Recherchen und die immer gleichen - ätzenden! - Schlüsse, die aus irgendwelchen, die ADHS betreffenden und von Wemauchimmer veröffentlichten Zahlen gezogen werden. Denn dieser negativen Presse verdanken wir so ziemlich alle Widrigkeiten, mit denen wir Menschen mit ADHS zu kämpfen haben, sei es nun in der Sonderpädagogik oder bei Versicherungen und natürlich auch bei allem, was irgendwo dazwischen liegt.

Bevor ich hier in Details einsteige, möchte ich die beiden von mir vermuteten Gründe für diesen "schlechten Ruf der ADHS" beleuchten. Hier ist zum einen die Schuldzuweisung an die Eltern, das geht am einfachsten. Zum anderen scheint man sich an der nicht von der Hand zu weisenden Tatsache festzubeißen, dass die Pharmaindustrie Präparate herstellen darf, die nur im Rahmen eines Betäubungsmittelgesetzes verabreicht werden dürfen.

Beides steht zunächst einmal nicht in direktem Zusammenhang zur ADHS. Doch es ist nicht allzu schwer, für den geneigten Leser einen solchen Zusammenhang zu konstruieren. Große deutsche Zeitschriften schaffen dies sogar, indem sie einen durchaus sorgfältig recherchierten und fast ohne Wertung auskommenden Bericht mit einer reißerischen Überschrift garnieren und einen Leitartikel vornean stellen, der vor reißerischer Effekthascherei nur so strotzt.

Als Handlanger dienen den Journalisten hierbei selbsternannte - ganz offensichtlich mediengeile - "Fachleute", durch sie erübrigt sich in aller Regel eine sorgfältige Recherche bei tatsächlichen ADHS-Fachleuten. Und so befinden sich die Selbsternannten in aller Munde - die tatsächlichen ADHS-Fachleute bleiben im Hintergrund und sind es irgendwann einmal leid, ständig gegen Windmühlenflügel zu kämpfen.

Wie gesagt, man kann es ignorieren. Und wenn dann bekannt wird, welch großer Schaden durch unseriöse Berichterstattung in Verbindung mit Selbsternannten-Gläubigkeit tatsächlich angerichtet wurde, dann sagen wir alle: Oh, so genau haben wir das gar nicht gewusst. Oha! Hatten wir das nicht schon mal, vor knapp siebzig Jahren? Unsere Eltern / Großeltern / Urgroßeltern haben das damals auch nicht so genau gewusst ...

In meinem heutigen Beitrag möchte ich der Frage nachgehen, weshalb es so einfach ist, pseudowissenschaftliche Weisheiten unter die Leute zu bringen. Denn die Unseriösen und Selbsternannten sind ja nicht doof. Und vielleicht komme ich ja irgendwann auch noch dahinter, wer von dieser ganzen gezielten Desinformation profitiert.

Neben dem Fernsehen und den Printmedien bietet das Internet ein reichhaltiges Spektrum seriöser und unseriöser Berichterstattung zur ADHS. Dieser Vielfalt ist man - als nicht betroffener Interessierter oder als aufgrund einer frischen ADHS-Diagnose Informationssuchender - hilflos ausgeliefert. Wie soll man denn jetzt herausfinden, was man glauben darf?

Bisher hatte ich immer einen globalgalaktischen Rat zur Hand: Wenn "Ritalin" und "ruhigstellen" ohne Negierung im gleichen Satz vorkommt, sollte man den Artikel nicht lesen, sondern wegschmeißen. Dieser Rat ist nach wie vor richtig. Das Schlimme ist nur: Er reicht bei Weitem nicht mehr aus! Die ADHS-Negierer haben sich inzwischen neue Strategien zugelegt, und die sind noch viel gefährlicher.

Manche Berichte beginnen ziemlich sachlich und fangen damit sofort zB die Eltern ein, deren Kinder in der Schule mehr oder weniger große Schwierigkeiten haben. Natürlich sind wir alle bereit, abzunicken, dass manche Kinder mehr als eine Chance brauchen, dass kleine Klassen besser sind als große, dass Lehrkräfte mehr auf Details achten und nicht alle Schüler über den gleichen Kamm scheren sollen, dass Hausaufgaben nicht die ganze Familie dominieren dürfen und dass unsere Kinder mehr Zeit zum Spielen brauchen - und zwar draußen an der frischen Luft mit anderen Kindern und nicht drinnen alleine vor der x-box. Wer von uns würde dem nicht zustimmen?! Doch Obacht! In der Regel driften die Autoren dieser Artikel dann ab in ihre Vorstellungen einer heilen Welt, in der kein Kind Medis braucht, um glücklich zu sein, und niemand eine ADHS diagnostizieren muss, denn eine solche gibt es in der heilen Welt ja gar nicht.

Auch hier bin ich noch bereit, einem Großteil solcher Aussagen zuzustimmen. Oh ja, ich kann sie mir gut vorstellen, diese heile Welt, in der Kinder draußen spielen, im Sommer mit Rad oder Inlinern ins Freibad und im Winter auf Schusters Rappen - hilfsweise mit dem Bus - zum Schlittenfahren oder Eislaufen gehen können! Ich bin so aufgewachsen - mein Handy hieß Telefonzelle und zur Nutzung derselben hatte ich immer zwei Zehnerle im ... ja, falls vorhanden, in der Hosentasche - falls nicht, im ... Schuh! Doch jetzt, an genau dieser Stelle, muss man wieder hart auf den Boden der Gegenwart plumpsen. Nicht alle Kinder können so einfach "raus zum Spielen", die Englisch-Vokabeln mit ins Freibad nehmen, die Schlittschuhe schultern und nachmittags einfach bloß Kind sein. Und ich muss hier nicht aufzählen, weshalb das so ist. Das weiß jeder selbst.

Ich bin ohne Fernseher aufgewachsen und kann da heute auch noch locker drauf verzichten (auf mein WLAN eher nicht). Ich bin aber nicht allein auf dieser Welt! Ein Bildschirm, gleich welcher Art, gehört heute zum Leben dazu. Niemand ist eine Insel.

Die Welt unserer Kinder ist nicht mehr so, wie sie einmal war. Deshalb sind das alles fromme Wünsche, die leider nichts mit der Realität zu tun haben. Und ganz genau aus diesem Grund haben auch solcherart Schilderungen als Einführung in die These "ADHS gibt's nicht - und falls doch, darf man sie keinesfalls therapieren!" rein gar nichts mit der Realität zu tun. Im Gegenteil, sie sind gefährlich; sie beeinflussen Betroffene, vor allem aber wiegeln sie Nichtbetroffene auf, damit diese den Betroffenen das Leben schwer machen können - was diese auch mit großem Eifer tun.

Da ist sie wieder, die bohrende Frage: Qui bono? Wer profitiert von solchen Hetzkampagnen?

... fragt sich
Susanne


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